Bevor es losgeht
Die Geräte dieser Linie sind keine Medizinprodukte. Keine Anwendung an Menschen oder Tieren, keine diagnostische Verwendung.
Gemessen werden Spannungsverläufe an lebenden Substraten. Weder Sprache noch Absicht noch Wahrnehmung lassen sich daraus ableiten. Wer aus einem Spannungsausschlag eine Aussage über das Befinden eines Organismus macht, verlässt den messbaren Bereich.
Before you start
The devices in this line are not medical devices. No application on humans or animals, no diagnostic use.
What is measured are voltage traces in living substrates. Neither language nor intent nor perception can be derived from them. Turning a voltage excursion into a statement about an organism's state leaves the measurable domain.
Was du wirklich misst.
Zwischen zwei Elektroden in einem feuchten, lebenden Substrat entsteht eine Spannung. Sie schwankt. Ein Teil dieser Schwankung stammt aus dem Organismus, ein Teil aus der Elektrode selbst, ein Teil aus der Umgebung. Die gesamte Handwerkskunst dieser Messung besteht darin, diese drei Anteile auseinanderzuhalten.
Die drei Anteile
Aus dem Organismus. Ionenströme über Membranen, Änderungen der Leitfähigkeit im Substrat durch Stoffwechsel, Wasserbewegung. Langsam: Sekunden bis Stunden. Klein: meist unter einem Millivolt, bei kräftigen Ereignissen einige Millivolt.
Aus der Elektrode. Jede Metall-Elektrolyt-Grenzfläche erzeugt ein eigenes Potential. Ändert sich Feuchte, Temperatur oder Ionenzusammensetzung am Kontakt, ändert sich dieses Potential — ohne dass der Organismus irgendetwas getan hat. Das ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt.
Aus der Umgebung. Netzfrequenz aus der Gebäudeverkabelung, Schaltvorgänge, statische Aufladung durch Bewegung im Raum, Temperaturgang der Elektronik.
Merksatz
Ein Ausschlag ist erst dann ein Befund, wenn er in einer Kontrolle ohne Organismus nicht auftritt. Alles andere ist eine Beobachtung, die noch nichts belegt.
Größenordnungen
| Größe | Bereich | Folge für den Aufbau |
|---|---|---|
| Signalamplitude | Bruchteile bis wenige Millivolt | Verstärkung nötig, nah am Substrat |
| Zeitskala | Sekunden bis Stunden | niedrige Abtastrate genügt, Langzeitstabilität zählt |
| Elektrodendrift | kann die Signalamplitude übersteigen | Kontrollelektroden zwingend |
| Messdauer | Tage bis Wochen | autarke Aufzeichnung, kein Dauerbetrieb am Rechner |
What you actually measure.
Between two electrodes in a moist, living substrate a voltage arises. It fluctuates. Part of that fluctuation comes from the organism, part from the electrode itself, part from the surroundings. The entire craft of this measurement consists in keeping those three apart.
The three parts
From the organism. Ion currents across membranes, conductivity changes in the substrate through metabolism, water movement. Slow: seconds to hours. Small: mostly below one millivolt, a few millivolts during strong events.
From the electrode. Every metal–electrolyte interface generates its own potential. If moisture, temperature or ion composition at the contact changes, that potential changes — without the organism having done anything. This is the single most common source of error.
From the surroundings. Mains frequency from building wiring, switching events, static charge from movement in the room, temperature drift of the electronics.
Rule of thumb
An excursion becomes a finding only when it does not appear in a control without an organism. Everything else is an observation that proves nothing yet.
Orders of magnitude
| Quantity | Range | Consequence for the setup |
|---|---|---|
| Signal amplitude | fractions to a few millivolts | amplification needed, close to the substrate |
| Timescale | seconds to hours | low sampling rate suffices, long-term stability matters |
| Electrode drift | can exceed the signal amplitude | control electrodes mandatory |
| Duration | days to weeks | self-contained recording, no permanent computer operation |
Die Messkette.
Sechs Glieder, immer dieselben. Wer weiß, welches Glied welchen Fehler einbringt, findet Probleme in Minuten statt in Tagen.
Glied für Glied
1 · Substrat. Träger des Signals und zugleich größter Störfaktor. Feuchtegradienten, Temperaturschichtung und Wachstum verändern die Leitfähigkeit über die Messdauer.
2 · Elektrode. Die Grenzfläche entscheidet. Stabiler Kontakt, gleiches Material für Mess- und Bezugselektrode, keine Materialmischung in einer Messung.
3 · Vorverstärker. Muss sehr hochohmig sein, sonst belastet er das Substrat und misst seinen eigenen Einfluss. Sitzt so nah wie möglich an der Elektrode.
4 · Wandler. Auflösung und Abtastrate bestimmen, was sichtbar wird. Bei langsamen Signalen ist die Auflösung wichtiger als die Rate.
5 · Auswertung. Glättung, Schwellen, Ereigniszählung. Jede Einstellung verändert das Ergebnis und gehört deshalb ins Protokoll.
6 · Ausgabe. Zahl, Kurve, Klang oder Steuerbefehl. Hier entsteht die Deutung — und hier werden die meisten Überinterpretationen geboren.
Reihenfolge der Fehlersuche
Immer von vorn: Substrat, dann Elektrode, dann Elektronik. Rund vier von fünf Problemen sitzen in den ersten beiden Gliedern, aber gesucht wird meistens zuerst in der Software.
The measurement chain.
Six links, always the same. Knowing which link contributes which error turns days of troubleshooting into minutes.
Link by link
1 · Substrate. Carrier of the signal and simultaneously the largest disturbance. Moisture gradients, temperature stratification and growth change conductivity across the measurement period.
2 · Electrode. The interface decides. Stable contact, identical material for measurement and reference electrode, no mixing of materials within one measurement.
3 · Preamplifier. Must present very high impedance, otherwise it loads the substrate and measures its own influence. Sits as close to the electrode as possible.
4 · Converter. Resolution and sampling rate determine what becomes visible. For slow signals resolution matters more than rate.
5 · Analysis. Smoothing, thresholds, event counting. Every setting changes the result and therefore belongs in the log.
6 · Output. Number, curve, sound or control command. Interpretation arises here — and here most overinterpretations are born.
Order of troubleshooting
Always from the front: substrate, then electrode, then electronics. Roughly four out of five problems sit in the first two links, yet the search usually starts in the software.
Substrat vorbereiten.
Pilzmyzel
Elektroden gehören vor dem Beimpfen an ihren Platz. Wer später nachsteckt, verletzt das Myzel, öffnet das Gefäß und holt sich Fremdkeime — und hat obendrein keinen Vergleich zum Zustand davor.
- Gefäß mit Durchführungen bestücken, Elektroden einsetzen, Dichtigkeit prüfen.
- Substrat einfüllen, Feuchte gleichmäßig verteilen.
- Sterilisieren, abkühlen lassen — Elektroden bleiben drin.
- Beimpfen, verschließen, ab hier nicht mehr öffnen.
- Messung ab dem ersten Tag laufen lassen, auch wenn noch nichts zu sehen ist. Die Phase vor dem Durchwachsen ist die Bezugsstrecke.
Pflanze
Die Schwierigkeit liegt in der Mechanik, nicht in der Biologie. Ein Blatt bewegt sich, wächst und verliert Wasser; jede dieser Bewegungen erzeugt ein Signal am Kontakt, das wie ein Befund aussieht.
- Klemmen mitführen, nicht festspannen. Druck erzeugt Verletzung, Verletzung erzeugt ein wanderndes Potential über Stunden.
- Kontaktschicht feucht halten über die gesamte Messdauer. Austrocknen sieht in der Kurve aus wie eine langsame Reaktion.
- Bezug in den Wurzelraum, nicht an einen zweiten Blattpunkt.
- Licht, Temperatur und Substratfeuchte mitschreiben. Ohne diese drei Kurven ist eine Deutung der Spannungskurve nicht belegbar.
Ruhezeit
Nach jedem Eingriff — Elektrode gesetzt, Gefäß bewegt, Deckel geöffnet — braucht der Aufbau Zeit, bis die Kontaktpotentiale zur Ruhe kommen. Diese Zeit liegt im Bereich von Stunden, nicht Minuten. Daten aus dieser Phase gehören markiert und aus der Auswertung genommen.
Preparing the substrate.
Fungal mycelium
Electrodes belong in place before inoculation. Inserting them later injures the mycelium, opens the vessel and invites contamination — and leaves no comparison to the state before.
- Fit the vessel with feedthroughs, insert electrodes, check tightness.
- Fill in substrate, distribute moisture evenly.
- Sterilise, let cool — electrodes stay in.
- Inoculate, close, do not open from here on.
- Run the measurement from day one, even with nothing visible yet. The phase before colonisation is the baseline stretch.
Plant
The difficulty is mechanical, not biological. A leaf moves, grows and loses water; each of these movements produces a signal at the contact that looks like a finding.
- Let clamps follow, do not grip. Pressure causes injury, injury causes a wandering potential over hours.
- Keep the contact layer moist throughout. Drying out looks like a slow response in the trace.
- Reference into the root zone, not to a second point on the leaf.
- Record light, temperature and substrate moisture. Without these three curves no interpretation of the voltage curve is supportable.
Settling time
After every intervention — electrode placed, vessel moved, lid opened — the setup needs time for contact potentials to settle. That time is in the range of hours, not minutes. Data from this phase should be marked and excluded from analysis.
Elektroden setzen.
Vier Regeln, die zusammen mehr bewirken als jede Verbesserung an der Elektronik.
Regel 1 · Gleiches Material
Mess- und Bezugselektrode aus demselben Material, aus derselben Charge. Unterschiedliche Materialien erzeugen eine dauerhafte Spannung, die mit Temperatur wandert — und dann wie ein Tagesrhythmus aussieht.
Regel 2 · Gleiche Tiefe, gleiche Lage
Elektroden auf vergleichbarer Höhe im Substrat. Unterschiedliche Tiefen messen unterschiedliche Feuchtezonen; deren Gradient ist größer als das gesuchte Signal.
Regel 3 · Kurze Wege, geschirmt
Der Weg von der Elektrode zum Vorverstärker ist der empfindlichste Abschnitt der ganzen Kette. Je kürzer, desto weniger fängt er ein.
Regel 4 · Mechanisch entlasten
Kabel am Gefäß befestigen, nicht an der Elektrode ziehen lassen. Jede Zugkraft wandert bis in die Grenzfläche und erscheint dort als Signal.
Mindestens drei
Ein Aufbau mit nur zwei Elektroden ist nicht auswertbar, weil kein Vergleich existiert. Sinnvolle Mindestbestückung:
- Bezug im Substrat, entfernt von der Wachstumszone
- Messpunkt A in der aktiven Zone
- Messpunkt B in einer Zone ohne Organismus, im selben Gefäß, im selben Klima
Was gleichzeitig an A und B erscheint, ist Umgebung. Was nur an A erscheint, ist ein Kandidat für einen Befund. Diese eine dritte Elektrode ersetzt einen halben Tag Fehlersuche.
Placing electrodes.
Four rules that together achieve more than any improvement to the electronics.
Rule 1 · Same material
Measurement and reference electrode from the same material, from the same batch. Different materials generate a persistent voltage that drifts with temperature — and then looks like a daily rhythm.
Rule 2 · Same depth, same position
Electrodes at comparable height in the substrate. Different depths measure different moisture zones; their gradient exceeds the signal sought.
Rule 3 · Short paths, shielded
The path from electrode to preamplifier is the most sensitive stretch of the whole chain. The shorter, the less it picks up.
Rule 4 · Relieve mechanical load
Fix cables to the vessel, never let them pull on the electrode. Any tensile force travels into the interface and appears there as signal.
At least three
A setup with only two electrodes cannot be evaluated because no comparison exists. Sensible minimum:
- Reference in the substrate, away from the growth zone
- Measurement point A in the active zone
- Measurement point B in a zone without organism, same vessel, same climate
What appears simultaneously at A and B is environment. What appears only at A is a candidate finding. That single third electrode replaces half a day of troubleshooting.
Störungen erkennen.
Die meisten spektakulären Bio-Signal-Kurven im Umlauf sind Störungen. Sie sind erkennbar, wenn man weiß, woran.
| Bild in der Kurve | Wahrscheinliche Ursache | Woran erkennbar |
|---|---|---|
| Gleichmäßiges Zittern | Netzeinstreuung | feste Frequenz, ändert sich beim Ausschalten von Geräten im Raum |
| Langsames Wandern über Stunden | Elektrodendrift oder Austrocknen | läuft in eine Richtung, erscheint auch an der Leerkontrolle |
| Tagesrhythmus | Temperaturgang des Raums | deckt sich mit der Temperaturkurve, auch ohne Organismus vorhanden |
| Einzelne steile Sprünge | Erschütterung, Kabelbewegung, Schaltvorgang | zeitgleich auf allen Kanälen, sehr kurze Flanke |
| Sprung mit langsamer Rückkehr | Berührung, Zugkraft am Kabel | fällt mit einem Eintrag im Protokoll zusammen |
| Treppenform | Auflösungsgrenze des Wandlers | Stufenhöhe immer gleich |
| Völlig glatte Kurve | Glättung zu stark eingestellt | verschwindet, wenn die Glättung reduziert wird |
Der häufigste Trugschluss
Eine Kurve mit auffälligen Ausschlägen, die zeitlich zu einem Ereignis passt — jemand betritt den Raum, eine Hand nähert sich der Pflanze — wird fast immer als Reaktion des Organismus gelesen. In den allermeisten Fällen ist es elektrostatische Aufladung der Person, die sich über den Aufbau ausgleicht.
Prüfung: derselbe Versuch mit einem Gefäß ohne Organismus, im selben Raum, zur selben Zeit. Zeigt die Leerkontrolle denselben Ausschlag, war es die Person.
Recognising interference.
Most spectacular bio-signal traces in circulation are interference. They are identifiable once you know what to look for.
| Pattern in the trace | Likely cause | How to tell |
|---|---|---|
| Even shimmer | mains pickup | fixed frequency, changes when devices in the room are switched off |
| Slow wander over hours | electrode drift or drying out | runs in one direction, also appears on the blank control |
| Daily rhythm | room temperature cycle | coincides with the temperature curve, present without organism too |
| Single steep jumps | vibration, cable movement, switching event | simultaneous on all channels, very short edge |
| Jump with slow return | touch, tension on the cable | coincides with a log entry |
| Staircase shape | converter resolution limit | step height always identical |
| Completely smooth curve | smoothing set too strong | disappears when smoothing is reduced |
The most common fallacy
A trace with striking excursions coinciding with an event — someone enters the room, a hand approaches the plant — is almost always read as a response of the organism. In the vast majority of cases it is electrostatic charge on the person equalising through the setup.
Test: the same experiment with a vessel containing no organism, same room, same time. If the blank control shows the same excursion, it was the person.
Kontrollen.
Ohne Kontrollen ist jede Bio-Signal-Messung eine Anekdote. Drei Kontrollen genügen; sie kosten wenig und entscheiden über die Belastbarkeit aller Ergebnisse.
| Kontrolle | Aufbau | Was sie beweist |
|---|---|---|
| Leerkontrolle | identisches Gefäß, Substrat, Elektroden — ohne Organismus | trennt Umgebung und Elektrode vom Organismus |
| Kurzschlusskontrolle | Elektrodeneingänge direkt verbunden | zeigt das Eigenrauschen der Elektronik |
| Totkontrolle | abgetötetes Substrat, sonst identisch | trennt Stoffwechsel von bloßer Materialeigenschaft |
Alle Kontrollen laufen gleichzeitig mit der eigentlichen Messung, im selben Raum, am selben Gerät. Eine Kontrolle, die eine Woche später läuft, kontrolliert nichts — Temperatur, Luftfeuchte und Netzsituation sind dann andere.
Die Entscheidungsfrage
Für jeden auffälligen Ausschlag: Zeigt ihn eine der drei Kontrollen auch? Ja → keine Aussage über den Organismus. Nein → Kandidat, der nun wiederholt werden muss.
Controls.
Without controls every bio-signal measurement is an anecdote. Three controls suffice; they cost little and decide the robustness of all results.
| Control | Setup | What it proves |
|---|---|---|
| Blank control | identical vessel, substrate, electrodes — without organism | separates environment and electrode from organism |
| Short-circuit control | electrode inputs connected directly | shows the intrinsic noise of the electronics |
| Dead control | killed substrate, otherwise identical | separates metabolism from mere material property |
All controls run simultaneously with the actual measurement, in the same room, on the same device. A control running a week later controls nothing — temperature, humidity and mains situation are different by then.
The deciding question
For every striking excursion: does one of the three controls show it too? Yes → no statement about the organism. No → candidate, which now has to be repeated.
Messreihe planen.
Vor dem Start festlegen
Was nach dem Blick auf die Daten festgelegt wird, ist keine Auswertung mehr, sondern Mustersuche. Deshalb gehört das Folgende vor den Start ins Protokoll:
- Welche Frage wird gestellt, und welches Ergebnis würde sie verneinen
- Wie lange läuft die Messung, und wie viele Wiederholungen sind geplant
- Ab welchem Wert gilt ein Ausschlag als Ereignis
- Welche Glättung wird verwendet
- Welche Kontrollen laufen mit
- Welche Daten werden verworfen, und aus welchem Grund
Wiederholung
Ein Gefäß ist kein Ergebnis. Drei Gefäße unter gleichen Bedingungen sind ein Anfang. Wenn zwei davon ein Muster zeigen und das dritte nicht, ist das ein Befund über die Streuung — und gehört genauso berichtet.
Zeitpunkte protokollieren
Jeder Eingriff mit Uhrzeit: Raum betreten, Licht geschaltet, Gefäß bewegt, Gießen, Lüften, Reizgabe. Ein Protokoll ohne Zeitstempel macht jede spätere Zuordnung unmöglich — und fast alle auffälligen Ausschläge fallen mit einem solchen Eingriff zusammen.
Planning a series.
Fix before starting
What is fixed after looking at the data is no longer analysis but pattern hunting. So the following belongs in the log before the start:
- Which question is asked, and which result would negate it
- How long the measurement runs, and how many repetitions are planned
- From which value an excursion counts as an event
- Which smoothing is used
- Which controls run alongside
- Which data will be discarded, and on what grounds
Repetition
One vessel is not a result. Three vessels under identical conditions are a start. If two show a pattern and the third does not, that is a finding about variance — and belongs in the report just the same.
Log the timestamps
Every intervention with clock time: entering the room, switching light, moving the vessel, watering, ventilating, applying a stimulus. A log without timestamps makes any later attribution impossible — and nearly all striking excursions coincide with such an intervention.
Auswerten.
Erst ansehen, dann rechnen
Die gesamte Kurve über die gesamte Messdauer betrachten, bevor irgendein Kennwert berechnet wird. Driftrichtung, Ausreißer, Lücken und Sättigung sind im Bild sofort sichtbar und in der Kennzahl nicht mehr.
Was ein Ereignis ist
Ein Ereignis braucht eine Definition, die vor der Messung feststand: eine Abweichung über einem festgelegten Vielfachen des Grundrauschens, die länger als eine festgelegte Dauer anhält. Ohne beide Teile zählt man Rauschen.
Angeben, was zählt
| Angabe | Warum |
|---|---|
| Grundrauschen der Kurzschlusskontrolle | ohne diesen Bezug ist jede Schwelle willkürlich |
| Anzahl Gefäße und Wiederholungen | trennt Einzelbeobachtung von Befund |
| Verworfene Abschnitte und Grund | sonst ist die Auswahl selbst das Ergebnis |
| Alle Einstellungen der Glättung | macht die Auswertung wiederholbar |
| Streuung, nicht nur Mittelwert | der Mittelwert allein verbirgt, ob das Muster überhaupt stabil ist |
Formulierung
Statt „das Myzel reagiert auf Berührung": „In 4 von 6 Gefäßen trat innerhalb von 20 Minuten nach der Berührung eine Abweichung über dem dreifachen Grundrauschen auf; in der Leerkontrolle trat sie nicht auf." Der zweite Satz ist länger und trägt.
Analysis.
Look first, calculate second
View the entire trace across the entire measurement period before computing any characteristic value. Drift direction, outliers, gaps and saturation are immediately visible in the picture and no longer in the number.
What counts as an event
An event needs a definition fixed before the measurement: a deviation above a defined multiple of the baseline noise, sustained longer than a defined duration. Without both parts you are counting noise.
State what matters
| Statement | Why |
|---|---|
| Baseline noise of the short-circuit control | without this reference every threshold is arbitrary |
| Number of vessels and repetitions | separates single observation from finding |
| Discarded sections and reason | otherwise the selection itself is the result |
| All smoothing settings | makes the analysis repeatable |
| Spread, not just mean | the mean alone hides whether the pattern is stable at all |
Wording
Instead of "the mycelium responds to touch": "In 4 of 6 vessels a deviation above three times baseline noise occurred within 20 minutes of the touch; it did not occur in the blank control." The second sentence is longer and holds.
Fehlerbilder am Gerät.
| Symptom | Zuerst prüfen | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kein Signal, Kurve flach bei null | Kabelbruch, Stecker, Bezugselektrode | Kurzschlusskontrolle anschließen — zeigt sie Rauschen, ist die Elektronik in Ordnung |
| Kurve am Anschlag | Verstärkung zu hoch, Elektrodenpotential zu groß | Verstärkung senken, Elektrodenmaterial und -paarung prüfen |
| Starkes gleichmäßiges Zittern | Schirmung, Kabellänge, Netzgeräte in der Nähe | Wege kürzen, Schirm auflegen, Netzteile entfernen |
| Kurve wandert ständig | Elektroden trocknen aus, Temperatur ändert sich | Feuchte sichern, Aufbau thermisch beruhigen, Ruhezeit einhalten |
| Sprünge bei Bewegung im Raum | statische Aufladung, Kabelbewegung | Kabel fixieren, Aufbau erden, Bodenbelag prüfen |
| Datenlücken | Speicherkarte, Stromversorgung | Karte tauschen, Versorgung prüfen, Schreibintervall verlängern |
| Kanäle laufen auseinander | unterschiedliche Elektrodenlage oder -alterung | Lage und Material vergleichen, Elektroden gleichzeitig tauschen |
| Alles sieht plötzlich anders aus | Einstellung verändert, Firmware getauscht | Protokoll prüfen — meist eine geänderte Glättung |
Fault patterns at the device.
| Symptom | Check first | Remedy |
|---|---|---|
| No signal, trace flat at zero | cable break, connector, reference electrode | connect short-circuit control — if it shows noise, the electronics are fine |
| Trace at the rail | gain too high, electrode potential too large | reduce gain, check electrode material and pairing |
| Strong even shimmer | shielding, cable length, power supplies nearby | shorten paths, connect shield, remove power supplies |
| Trace wanders constantly | electrodes drying, temperature changing | secure moisture, thermally settle the setup, observe settling time |
| Jumps on movement in the room | static charge, cable movement | fix cables, ground the setup, check floor covering |
| Data gaps | memory card, power supply | replace card, check supply, lengthen write interval |
| Channels diverge | different electrode position or ageing | compare position and material, replace electrodes together |
| Everything suddenly looks different | setting changed, firmware swapped | check the log — usually a changed smoothing setting |
Protokoll und Hygiene.
Protokollvorlage
Hygiene
- Arbeitsfläche vor und nach jedem Ansatz reinigen.
- Geschlossene Gefäße bleiben geschlossen. Jedes Öffnen ist ein Eingriff und gehört ins Protokoll.
- Kontaminierte Ansätze nicht retten wollen: dokumentieren, entsorgen, neu ansetzen.
- Elektroden zwischen Messreihen reinigen und trocknen; Zustand notieren.
- Substratreste nicht über den Hausmüll entsorgen, wenn unklar ist, was gewachsen ist.
Elektrische Sicherheit
- Nur Kleinspannung am Aufbau. Keine netzgespeiste Elektronik im Gefäß.
- Netzteile außerhalb des Messraums, wenn möglich Batteriebetrieb während der Messung.
- Feuchte und Elektrik konsequent trennen: Durchführungen nach außen, Elektronik trocken.
Grenzen dieser Anleitung
Diese Fassung beschreibt Verfahren und Prinzipien. Bauteilwerte, Toleranzen und Bezugsquellen sind nicht enthalten; sie liegen in der internen Fassung. Wer daraus ein Gerät baut, trägt die Verantwortung für Auslegung und Betrieb selbst.
Logging and hygiene.
Log template
Hygiene
- Clean the work surface before and after every setup.
- Closed vessels stay closed. Every opening is an intervention and belongs in the log.
- Do not try to rescue contaminated batches: document, dispose, start again.
- Clean and dry electrodes between series; note their condition.
- Do not dispose of substrate residues in household waste when it is unclear what has grown.
Electrical safety
- Extra-low voltage only at the setup. No mains-powered electronics inside the vessel.
- Power supplies outside the measurement room; battery operation during measurement where possible.
- Keep moisture and electrics strictly apart: feedthroughs to the outside, electronics dry.
Limits of this document
This version describes procedures and principles. Component values, tolerances and sources are not included; they reside in the internal version. Anyone building a device from this bears responsibility for design and operation.