Manifest · April 2026 · Thomas Schüller (unabhängige Forschung)
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Ein Staat,
der sich erklären muss.

Österreich kann eine Verwaltung bauen, deren Entscheidungen nachvollziehbar, reproduzierbar und nicht mehr von Tagesverfassungen abhängig sind. Die Technologie ist entschieden. Was fehlt, ist politischer Wille.

Was heute ist

Ermessen ohne Spur

Gleicher Sachverhalt, zwei Sachbearbeiter, zwei Ergebnisse. Medienbrüche, doppelte Daten, Bescheide, die niemand reproduzieren kann.

Was sein muss

Regel, Daten, Entscheidung

Jeder Bescheid zeigt die angewandte Regel, die verwendeten Daten, das Ergebnis. In der eigenen Akte, jederzeit, in einfacher Sprache.

Was es kostet

Einmalig, dann Gewinn

Etwa 2–3 Mrd. € Investition über sieben Jahre. 3–4 Mrd. € jährliche Ersparnis im Vollbetrieb. Break-Even nach fünf Jahren.

Der Befund

Österreich leistet sich eine Verwaltung, die ihre eigenen Regeln nicht einhält. Nicht aus bösem Willen — aus Struktur. Sachbearbeiter bearbeiten Formulare, die sie zehn Minuten später erneut ausdrucken müssen. Bürger bekommen Bescheide, die sie nicht verstehen, von Algorithmen, die es offiziell nicht gibt. Daten werden dreimal erfasst, zweimal falsch. Die öffentliche Hand beschäftigt 560.000 Menschen und gibt über 230 Milliarden Euro jährlich aus. Ein zweistelliger Milliardenbetrag davon finanziert Tätigkeiten, die in einem Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts nicht mehr menschliche Arbeit sein sollten — weil sie regelbasiert, maschinenlesbar und nachvollziehbar vollzogen werden können.

Das Versprechen

Es geht nicht um weniger Staat. Es geht um einen Staat, dessen Entscheidungen ein durchschnittlich gebildeter Mensch an einem Nachmittag überprüfen kann. Um ein System, in dem institutionelle Willkür technisch unmöglich wird, weil jeder Zugriff, jede Regel, jede Begründung in einem unveränderlichen Audit-Log liegt. Um eine Verwaltung, die ihren eigenen Beschäftigten bessere Arbeit ermöglicht — nicht weniger, sondern sinnvollere.

Zusage

Kein Beschäftigter des öffentlichen Dienstes wird wegen dieses Programms entlassen. Wer heute Formulare prüft, wird morgen schwierige Fälle beraten, Regeln qualitätssichern oder Menschen betreuen, die digital nicht können. Aufwertung, nicht Entwertung.

Sieben nicht-verhandelbare Prinzipien

  1. Recht als Code. Gesetze werden gemeinsam mit ihrer maschinenlesbaren Fassung beschlossen. Divergiert die Anwendung, gilt der Text — und der Code wird nachweisbar korrigiert.
  2. Vollständige Nachvollziehbarkeit. Jede Entscheidung hinterlässt eine Kette aus Eingaben, Regelversion und Begründung. Der Bürger sieht sie in seiner Akte.
  3. Once-Only, hart durchgesetzt. Daten, die dem Staat vorliegen, darf keine Behörde ein zweites Mal verlangen.
  4. Zweckbindung und Datenminimierung. Register-Abfragen sind protokolliert, zeitlich beschränkt und für den Bürger einsehbar.
  5. Open Source, souveräne Infrastruktur. Kerncode quelloffen, EU-gehostet. Keine US-Cloud für Verfahrenslogik. Keine Black Boxes in hoheitlichen Entscheidungen.
  6. Barrierefreiheit und Offline-Pfad. Wer digital nicht kann, wird nicht schlechter gestellt, sondern besser betreut.
  7. Öffentliches Algorithmen-Register. Jede automatisierte Entscheidung im hoheitlichen Handeln steht in einem öffentlichen Register. Ohne Eintrag kein Vollzug.

Der Weg

Gemeinde zuerst. Drei Pilotgemeinden und ein freiwilliges Bundesland in den ersten zwölf Monaten. Heizkostenzuschuss, Meldewesen, Hundesteuer, Parkpickerl — einfache Verfahren, die jeder kennt. Danach Länderebene über 24 Monate, dann Bund, dann EU-Anschluss. Sieben Jahre insgesamt. Jede Phase mit Abbruchkriterien, unabhängiger Evaluation durch den Rechnungshof und parlamentarischer Kontrolle. Altverfahren bleiben 24 Monate als Fallback bestehen. Kein Big Bang. Keine Unumkehrbarkeit ohne Beweis.

Die Einladung

Dieses Papier ist kein Regierungsdokument. Es ist ein Vorschlag an die Republik. Wer mitbauen will — Gemeinden, Abgeordnete, Beamte, Entwickler, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften —, findet im zugehörigen Vollkonzept (§§ 01–12) klar benannte Aufgaben. Das Konzept ist so formuliert, dass es angegriffen werden kann: jede Zahl, jede Architekturentscheidung, jede Rechtsnorm lässt sich einzeln prüfen und verbessern. Was nicht mehr zur Debatte steht, ist die Richtung. Ein Rechtsstaat, dessen Vollzug nicht nachvollziehbar ist, ist kein vollständiger Rechtsstaat.

Thomas Schüller · unabhängige Forschung · Wien
forschung@tschueller.com · ORCID 0009-0003-9799-6747
Manifest v1.0 · April 2026
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