Aufmerksamkeitsspanne am Bildschirm halbiert
A · GESICHERT
Mark, UC IrvineLängsschnitt 20 Jahren > 1000
Mediane Bildschirm-Verweildauer von 2.5 min (2004) → 75 sek (2012) → 47 sek (2016+, Median 40s). Computer-Logging, objektiv, unaufdringlich. 5× unabhängig repliziert (Werte 44–50s).
Was sie zeigt
Faktische Verkürzung der Verweildauer — nicht der maximalen Aufmerksamkeitskapazität. Korrelation mit Stress, Blutdruckanstieg, IgA-Reaktivität.
Was sie nicht zeigt
Keine Aussage über kognitive Fähigkeit per se. Kausalität (Tech → kürzere Spanne) bleibt korrelativ — Selbstselektion möglich.
Mark G. (2023). Attention Span. Hanover Square Press · gloriamark.com
GenAI ↔ kritisches Denken (Microsoft/CMU)
B · ROBUST
Lee et al. CHI 2025n=319 Wissensarbeiter936 Fallbeispiele
Höheres Vertrauen in GenAI korreliert mit weniger eingesetztem kritischem Denken; höheres Selbstvertrauen in eigene Fähigkeiten korreliert mit mehr. Qualitativ: kritisches Denken verschiebt sich Richtung Verifikation, Integration, Aufgaben-Stewardship statt Generierung.
Was sie zeigt
Statistisch signifikanter Zusammenhang Vertrauen↔Anstrengung. Praxisnahe Daten (kein Labor).
Was sie nicht zeigt
Selbstauskunft, kein objektives Maß. Keine Längsschnitt-Aussage zu Atrophie über Zeit. Keine RCT-Evidenz für „dümmer durch KI".
microsoft.com/research · "The Impact of Generative AI on Critical Thinking" CHI 2025
ChatGPT-Schreibaufgabe: niedrigere kognitive Beteiligung
B · ROBUST
Georgiou 2025 · arXiv:2507.00181kontrollierter Vergleich2 Gruppen
Studierende mit ChatGPT-Hilfe beim Essay zeigten signifikant niedrigere Werte auf der Cognitive Engagement Scale (CES) als die Vergleichsgruppe ohne KI. Hinweis auf cognitive offloading bei akademischem Schreiben.
Was sie zeigt
Akute Reduktion der mentalen Anstrengung in der konkreten Aufgabe.
Was sie nicht zeigt
Keine Aussage über Lerneffekte langfristig. Niedrige Beteiligung ≠ schlechteres Lernergebnis (mögliche „desirable difficulty" vs. „expert offloading"-Frage).
arXiv:2507.00181 · "ChatGPT produces more lazy thinkers"
Mobile-Internet-Blockade: Aufmerksamkeit + Wohlbefinden ↑
A · GESICHERT
Castro et al. PNAS Nexus 2025präregistrierter RCTn=467 (Compliance: 119)
2 Wochen Sperre des mobilen Internets (Wi-Fi+Mobilfunk) per App „Freedom" — Anrufe/SMS bleiben möglich. Verbesserungen in (1) subjektivem Wohlbefinden, (2) mentaler Gesundheit, (3) anhaltender Aufmerksamkeit. Cross-over-Design, objektive Compliance-Messung.
Was sie zeigt
Kausale Evidenz: weniger ständige Konnektivität → bessere Funktion. Kleine bis mittlere Effektgrößen.
Was sie nicht zeigt
Hohe Drop-out-Rate (75% nicht compliant) — zeigt indirekt Suchtcharakter. Aussage gilt strikt nur für die Compliers (Selbstselektion).
academic.oup.com/pnasnexus · pgaf017 (2025)
Screen-Time ≤2h/Tag: Stress, Wohlbefinden, Schlaf
A · GESICHERT
Pieh et al. 2025 (Krems, AT)RCTn=111 Studierende
3 Wochen Reduktion der Smartphone-Screen-Time auf ≤2h/Tag. Signifikante Effekte (klein bis mittel, η² Zeit×Gruppe) auf WHO-5-Wohlbefinden, PHQ-9-Depression, PSQ-Stress, ISI-Schlaf. Effekte bis t2 (6 Wochen post) teilweise stabil.
Was sie zeigt
Dosis-Wirkung kausal. Reduktion (nicht Verzicht) reicht für messbare Verbesserung.
Was sie nicht zeigt
Junge gesunde Kohorte. Effektstärken klein-mittel — keine Wundermittel-Wirkung. Nicht-blinded.
PubMed PMID:39985031 · BMC Medicine 2025
30 min/Tag Social-Media-Limit ↓ Depression/Einsamkeit
B · ROBUST
Hunt et al. 2018 J. Soc. Clin. Psychol.RCTn=143
3 Wochen Begrenzung von Facebook/Instagram/Snapchat auf je 10 min/Tag. Vs. unbegrenzt: signifikante Reduktion von Einsamkeit und Depressionssymptomen, besonders bei Personen mit hohen Ausgangswerten.
Was sie zeigt
Kausale Evidenz für Limitierung als Intervention.
Was sie nicht zeigt
Selbstreport-Compliance. Studentische Stichprobe. Keine Aussage zu längerfristigen Effekten > 3 Wochen.
"No More FOMO" (Hunt, Marx, Lipson, Young) · J. Soc. Clin. Psychol. 37(10)
Arbeitsgedächtnis als harte Engstelle
A · GESICHERT
Sweller, Cowan, Klingberg50+ Jahre Replikationtausende Experimente
Working-Memory-Kapazität: ~4 chunks (Cowan), ~7±2 (Miller, weniger streng). Cognitive Load Theory: extraneous load durch Interface-Design + intrinsic load durch Aufgabenkomplexität konkurrieren um identische Ressource. Multitasking ist neuronal Aufgabenwechsel mit Kosten.
Was sie zeigt
Universelle, biologisch fixierte Engstelle. Switching-cost real, neurologisch verortbar.
Was sie nicht zeigt
Trainierbarkeit der Kapazität selbst ist umstritten (Klingberg ja, andere widerlegt). „Brain Training" Apps: weitgehend gescheitert.
Sweller (1988); Cowan (2001); Klingberg (2009)
Variable-Ratio-Reinforcement im Belohnungssystem
C · PLAUSIBEL
Skinner-Paradigma + Lembke 2021Tiermodell solideMensch: korrelativ
Unvorhersehbare Belohnung (Likes, Push, Notification, Slot) erzeugt mesolimbisches Dopamin-Signal — bei Tieren reproduzierbar verhaltenssteigernd. Hypothese: Apps nutzen identisches Schema → Suchtmuster.
Was sie zeigt
Mechanismus im Tiermodell sehr robust. App-Design nutzt diese Schemata bewusst (Eyal, Hooked).
Was sie nicht zeigt
„Dopamine Detox" als Therapie ist Pop-Science — keine RCT-Evidenz. Lembkes Klinik-Anekdoten ≠ kontrollierte Studien. Begriff „digitale Sucht" ist im DSM-5/ICD-11 nur partiell aufgenommen (Gaming Disorder ja, „Social Media Addiction" nein).
Lembke A. (2021) Dopamine Nation · Skinner BF (1948)
Smartphones ↔ Jugend-Mental-Health-Krise
B · ROBUST (umstritten)
Twenge / Haidt vs Odgers / OrbenKausalität debattiertinternationale Daten
Ab ~2012 in Anglosphäre (US, UK, CA, AU, NZ): Sprung in Depressions-, Angst-, Selbstverletzungs-Raten bei Jugendlichen, parallel zu Smartphone- und Social-Media-Penetration. Mehrere RCTs zeigen kleine bis mittlere Effekte für Reduktion. Schul-Handyverbote: in Norwegen (Abrahamsson 2024) signifikante Effekte auf Mental Health; andere Studien gemischt.
Was sie zeigt
Korrelation Zeitpunkt+international robust. Mehrere experimentelle RCTs mit positiven Effekten.
Was sie nicht zeigt
Kausalität nicht erschöpfend. Orben/Odgers: Effektgrößen klein, Konfundierung mit ökonomischen/sozialen Faktoren möglich. National Academies (2024): „insufficient evidence" für reine Tech-Kausalität bei großem Effekt. Polarisierter Diskurs.
Haidt J. Anxious Generation (2024) · Orben A. Soc Psychiatry (2020) · Nature 2025
Ego Depletion / Decision Fatigue (Willenskraft erschöpfbar wie Muskel)
D · GROSSTEILS WIDERLEGT
Baumeister 1998Replikationen scheiternMany-Lab-Project 2016
Ursprünglich populär: Selbstkontrolle ist ein erschöpfbarer Pool, sinkt mit jedem Entscheid. Many-Lab-Replikation (Hagger et al. 2016, n=2141 über 23 Labs): Effekt nahe Null. Folge-Meta-Analysen finden Publikationsbias.
Was bleibt
Müdigkeit + niedriger Blutzucker beeinflussen Performance — trivial. Aber das spezifische Ego-Depletion-Modell ist gescheitert.
Vorsicht
Wird in Selbsthilfeliteratur weiter zitiert. Nicht mehr als wissenschaftliche Begründung verwenden.
Hagger MS et al. (2016) Perspectives Psych Sci · Many-Lab Project
Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR/MBCT)
C · TEILREPLIZIERT
Kabat-Zinn 1979 ff.viele RCTsHeterogen
Strukturierte 8-Wochen-Achtsamkeitsprogramme: konsistente kleine bis mittlere Effekte auf Stress, Angst, chronische Schmerzen. Bei Depression-Rückfallprophylaxe (MBCT): NICE-empfohlen.
Was bleibt
Klinische Anwendungen mit Evidenz: Rückfallprophylaxe Depression, chronische Schmerzen, Stress-Bewältigung.
Vorsicht
Van Dam et al. 2018 „Mind the Hype": Forschung methodisch oft mangelhaft, Effekte überschätzt. Adverse Effekte (Angst, Depersonalisation) bei Vulnerablen unterberichtet. „Mindfulness Apps" ≠ MBSR.
Van Dam et al. (2018) Perspectives Psych Sci 13(1) · Goyal JAMA 2014
„Multitasking" ist sequenzielles Task-Switching mit Kosten
A · GESICHERT
Rubinstein, Meyer, Evans 2001vielfach repliziertfMRI-Bestätigung
Echtes paralleles Verarbeiten zweier kognitiver Aufgaben ist neurologisch nicht möglich (Ausnahme: hochautomatisierte Routinen). Was wir „Multitasking" nennen: schnelles Hin-und-Her mit Reorientierungskosten. Heavy media multitasker schneiden in Aufmerksamkeitstests SCHLECHTER ab (Ophir, Nass, Wagner 2009).
Was sie zeigt
Switching ist kognitiv teuer. „Productive Multitasking" ist ein Mythos.
Was sie nicht zeigt
Routinen + Denkaufgabe (Bügeln + Podcast) ist OK. Nicht alles Switchen ist gleich schädlich.
Rubinstein et al. JEP:HPP 2001 · Ophir et al. PNAS 2009
Short-Form-Video-Konsum ↔ Aufmerksamkeit (Meta-Analyse)
B · ROBUST
Meta-Analyse 2026n ≈ 100.000TikTok/Reels/Shorts
Mehr Konsum von algorithmisch zugespielten Kurzvideos korreliert mit messbar schlechterer Aufmerksamkeit und schlechterer inhibitorischer Kontrolle. Effekt dosisabhängig.
Was sie zeigt
Robuste Korrelation über zehntausende Probanden. Konsistent mit Hyperstimulationshypothese.
Was sie nicht zeigt
Korrelation ≠ Kausalität — Selbstselektion möglich (Personen mit niedriger inhibitorischer Kontrolle wählen Kurzvideos).
Meta-Analyse 2026 (Vorabauswertung)
Mental-Health-Apps: kleine reale Effekte
A · GESICHERT
Linardon et al. World Psychiatry 2024Meta von 176 RCTsn > 33.000
Apps zur Behandlung von Depression: Hedges' g = 0.28 (klein), NNT ≈ 11.5. Generalisierte Angst: g = 0.26, NNT ≈ 12.4. Signifikant, aber kleiner als psychotherapeutische Standardinterventionen.
Was sie zeigt
Apps wirken — auf Bevölkerungsebene niedrigschwellig nützlich.
Was sie nicht zeigt
Effekt klein. App ≠ Therapieersatz. Hohe Heterogenität, viele Apps untersucht — wenige tatsächlich verfügbar.
Linardon et al. (2024) World Psychiatry · DOI:10.1002/wps.21183
Google-Effekt / Cognitive Offloading
B · ROBUST
Sparrow Liu Wegner 2011Risko & Gilbert 2016repliziert
Wenn wir wissen, dass Information später verfügbar bleibt, behalten wir schlechter den INHALT, dafür besser WO sie liegt (Transactive Memory). Replizierbar mehrfach. KI verstärkt diesen Effekt potenziell — empirisch noch jung.
Was sie zeigt
Reales kognitives Auslagern. Effekt ist neutral — kann adaptiv sein (Effizienz) oder schädlich (Verlust an Tiefe).
Was sie nicht zeigt
Keine generelle „Verdummung". Externalisierung ist seit Schrift menschlich. Frage ist Balance, nicht Existenz des Effekts.
Sparrow et al. Science (2011) · Risko & Gilbert TICS (2016)