Verfügung über das Erdsystem · Syntagma Forschung
Verfügung über das Erdsystem — Werksplan v0.1
TEIL A — DEUTSCH
A1. Werkfrage
Wer verfügt über biologische und mineralische Ressourcen, Land, Wasser, Meer und Atmosphäre, wer trägt die Folgen dieser Verfügung, und mit welchen Verfahren lässt sich beides wieder zusammenführen — messbar, prüfbar, durchsetzbar?
A2. These
Die vorhandene Regimearchitektur ist nicht primär ambitionsschwach, sondern zurechnungsschwach. Sie erzeugt Ziele ohne Adressaten, Berichte ohne Bilanzgrenzen und Verfahren, die den zurückhaltendsten Akteur zum Maßstab machen. Verbesserung setzt deshalb nicht bei höheren Zielwerten an, sondern bei drei Größen: Zurechnung (wem gehört welche Folge?), Bilanzgrenze (was zählt als innen und außen?) und Vollzug (was passiert bei Nichterfüllung?).
Die These wird nicht normativ gesetzt, sondern gegen die Regimekarte (U1) und den Evaluationsrahmen (U5) geprüft. Gegenpositionen — insbesondere die Effizienzposition (Verlagerung ist erwünscht, wenn sie Kosten senkt) und die Souveränitätsposition (Zurechnung über Grenzen hinweg ist völkerrechtlich nicht tragfähig) — werden in U2 und U4 ausdrücklich mitgeführt, nicht abgeräumt.
A3. Werkstruktur
| Teil | Gegenstand | Stand |
|---|---|---|
| Hauptwerk | Rahmen, These, Begriffe, Synthese | v0.1 Werksplan |
| U1 Regimekarte | Verträge, Institutionen, Termine, Lückenanalyse | v0.1 geschrieben |
| U2 Externe Kosten | Bewertung, Monetarisierung und ihre Grenzen, Preisbildung | v0.1 skizziert |
| U3 Wasser | Menschenrecht, grenzüberschreitende Becken, virtuelles Wasser | v0.1 skizziert |
| U4 Durchsetzung | Litigation, Compliance, Sanktion, Beweisführung | v0.1 skizziert |
| U5 Regionalfall | Österreich/Alpenraum: Fläche, Wasser, Wald, Vollzug | v0.1 skizziert |
| Werkzeuge | sechs browserseitige Werkzeuge (siehe Spezifikation) | Konzept, kein Code |
A4. Begriffsraster
- Verfügung (δ): rechtlich oder faktisch wirksame Entscheidungsmacht über Entnahme, Emission, Umwandlung oder Zugang.
- Risiko (ρ): Erwartungswert und Varianz der Folgen dieser Entscheidung, getragen von Personen, Populationen oder Systemen.
- Zurechnungskette: nachweisbarer Pfad von einer Folge zu einer Entscheidung. Bricht die Kette, bricht die Haftung — der häufigste Ort des Bruchs ist die Bilanzgrenze, nicht das Naturgesetz.
- Bilanzgrenze: Festlegung, welche Ströme in eine Rechnung eingehen. Territorial, produktionsbasiert, konsumbasiert oder eigentumsbasiert — vier Rahmen, vier verschiedene Verantwortliche für denselben physischen Vorgang.
- Externe Kosten: Folgen, die außerhalb der Bilanzgrenze des Verursachers anfallen. Nicht identisch mit „monetarisierbar".
- Vollzug: die Gesamtheit aus Messung, Feststellung, Zuordnung, Rechtsfolge und Durchsetzung. Ein Regime ohne alle fünf Glieder ist eine Absichtserklärung.
A5. Methode
- Regimekartierung, quellenverifiziert, mit Belegmarken (U1).
- Instrumentenanalyse entlang der fünf Vollzugsglieder; jedes Instrument wird auf sein schwächstes Glied reduziert, nicht auf sein stärkstes.
- Bilanzgrenzenvergleich: jede quantitative Aussage wird in mindestens zwei Rahmen (produktions- und konsumbasiert) gerechnet; Differenzen sind Befund, nicht Störgröße.
- Wirksamkeitsprüfung mit expliziten Kontrafaktualen (U5): Vorher-Nachher ist kein Wirkungsnachweis.
- Werkzeugbau: jede analytische Operation, die mehr als zweimal vorkommt, wird als browserseitiges Werkzeug abgebildet (Werkzeugstrang).
- Transdisziplinäre Vollaufarbeitung: Völkerrecht, Ökonomie, Erdsystem- und Ökosystemforschung, Politikwissenschaft, Verwaltungspraxis, Ethnoökologie, Ingenieurpraxis. Biologisch-evolutionäre Analogien (Allmenderegime, Kooperationsstabilität, Selektion auf Trittbrettfahren) werden geprüft und, wo sie nur rhetorisch tragen, verworfen.
A6. Theoriebezüge (zu prüfen und einzuarbeiten)
- Ostrom: Gestaltungsprinzipien für Gemeinressourcen; Grenzen der Übertragbarkeit auf globale Senken ohne Ausschlussmöglichkeit.
- Umweltökonomie: Pigou, Coase, Grenzvermeidungskosten, Diskontierungsstreit (Stern/Nordhaus), Kritik an Diskontierung intergenerationeller Schäden.
- Politische Ökonomie und marxistische Naturtheorie: Stoffwechselriss (Foster), ökologisch ungleicher Tausch (Hornborg), Akkumulation durch Enteignung (Harvey), Weltsystem-/Rohstoffketten-Analyse. Wird als Analyseinstrument geführt, nicht als Bekenntnis: seine empirischen Aussagen (Nettoressourcentransfer Süd→Nord, Lohn- und Preisasymmetrie in Rohstoffketten) sind prüfbar und werden geprüft; seine normativen Schlüsse werden als eine Position neben anderen ausgewiesen.
- Gegenpositionen: Umweltkuznetskurve, Entkopplungsdebatte, ordoliberale Zertifikatslösungen, Wachstumskritik vs. grünes Wachstum — jeweils mit ihrem besten Argument dargestellt.
- Rechtstheorie: Vorsorgeprinzip, common concern of humankind, gemeinsames Erbe der Menschheit, Rechte der Natur (EC, NZ, CO), Sorgfaltspflichten in Lieferketten.
A7. Abgrenzung
Kein Bezug zu militärischen, waffentechnischen oder Verteidigungsanwendungen (harte Ausschlussregel über alle Stränge). Keine Politikberatung für einzelne Parteien. Keine Empfehlung konkreter Finanzprodukte.
A8. Reifegrad (ehrlich)
- Regimekarte: quellenverifiziert für die markierten Zeilen, Stand 2026-09-05.
- Unterpapiere U2–U5: Gliederung und Kernfragen stehen, Text nicht geschrieben.
- Werkzeuge: Konzept und Spezifikation, kein Code, kein Prototyp, keine Daten.
- Zahlenangaben Dritter sind übernommen, nicht nachgerechnet.
PART B — ENGLISH
B1. Research question
Who holds disposal power over biological and mineral resources, land, water, sea and atmosphere; who carries the consequences; and by what procedures can the two be re-coupled in a way that is measurable, auditable and enforceable?
B2. Thesis
The existing regime architecture is not primarily weak in ambition but weak in attribution. It produces targets without addressees, reports without accounting boundaries, and procedures that make the most reluctant actor the yardstick. Improvement therefore starts with three quantities — attribution, accounting boundary, and enforcement — not with higher headline targets. Counter-positions (the efficiency case for displacement; the sovereignty case against cross-border attribution) are carried through the work rather than dismissed.
B3. Structure
Main work plus five sub-papers (regime map; external costs; water; enforcement; regional case Austria/Alps) plus a tool strand of six browser-side tools.
B4. Concepts
Disposal (δ) · risk (ρ) · attribution chain · accounting boundary (territorial, production-based, consumption-based, ownership-based — four frames, four different responsible parties for the same physical event) · external costs (not identical with "monetisable") · enforcement as the full chain of measurement, finding, attribution, legal consequence and execution.
B5. Method
Source-verified regime mapping · instrument analysis reduced to its weakest enforcement link · dual accounting frames for every quantitative claim · effect testing with explicit counterfactuals · tool-building for any operation that recurs · full transdisciplinary treatment including tested (and where merely rhetorical, discarded) biological-evolutionary analogies.
B6. Theory (to be verified and worked in)
Ostrom's design principles and their limits for global sinks · environmental economics (Pigou, Coase, discounting dispute) · political economy and Marxian nature theory (metabolic rift, ecologically unequal exchange, accumulation by dispossession) used as an analytical instrument with testable empirical claims, not as a creed · counter-positions (Kuznets curve, decoupling debate, certificate solutions, green growth) presented at their strongest · legal theory (precaution, common concern, common heritage, rights of nature, supply-chain due diligence).
B7. Exclusion
No military, weapons or defence application. No party-political advice. No recommendation of specific financial products.
B8. Maturity (honest)
Regime map verified for marked rows as of 2026-09-05. Sub-papers U2–U5 outlined, not written. Tools are specification only — no code, no prototype, no data. Third-party figures are quoted, not recomputed.