Verfügung über das Erdsystem · Syntagma Forschung

U1 — Regimekarte und Standanalyse / Regime Map and State-of-Play

TEIL A — DEUTSCH

A1. Zweck

Dieses Teilwerk hält den überprüften Stand der internationalen, europäischen und regionalen Regime fest, die über biologische Ressourcen, Land, Wasser, Meer, Atmosphäre und Stoffströme verfügen. Es ist Ausgangspunkt für die Lückenanalyse, den Leitfaden und die Werkzeugspezifikation.

Belegstatus. Jede Zeile trägt eine Belegmarke: [V] = in der Recherchesitzung vom 2026-09-05 gegen Primär- oder Institutionsquelle verifiziert; [P] = plausibel aus Vorwissen, vor Veröffentlichung zu prüfen. Keine [P]-Zeile darf ohne Prüfung in eine Publikation übernommen werden (QUELLEN-VERIFIKATION, WERKSTATTLINIE v2.0).

A2. Regime-Atlas — globale Ebene

Regime Kerninstrument Stand 09/2026 Verbindlichkeit Durchsetzung Beleg
Klima UNFCCC / Paris (1992/2015) COP30 Belém 11/2025 abgeschlossen; „Global Mutirão"-Beschluss ohne Nennung fossiler Brennstoffe, ohne Ausstiegsfahrplan; Anpassungsfinanzierung soll bis 2035 verdreifacht werden (ohne Basisjahr, ohne Beitragsschlüssel); Just-Transition-Mechanismus neu völkerrechtlich bindend, Ziele national selbstgesetzt (NDC) kein Sanktionsmechanismus; Transparenzrahmen (ETF) [V]
Klima COP31 9.–20.11.2026 Antalya (TR); Gastgeber Türkei, Verhandlungsvorsitz Australien (Chris Bowen); Pre-COP Fidschi 5.–8.10.2026; COP32 2027 Addis Abeba — — [V]
Biodiversität CBD (1992) + Kunming-Montreal-Rahmen (2022) COP17 19.–30.10.2026 Jerewan (AM), Thema „Taking Action for Nature"; erster Global Review der KMGBF-Umsetzung; Operationalisierung des Cali-Fonds (DSI) bindend, Ziele politisch (23 Targets, 30×30) keine Sanktion; NBSAP-Berichtspflicht [V]
Biodiversität Nagoya-Protokoll (ABS), Cartagena-Protokoll (Biosafety) NP-MOP-6 und CP-MOP-12 parallel zu COP17 bindend national umzusetzen [V]
Land UNCCD (1994) COP17 17.–28.8.2026 Ulaanbaatar, ~15.000 Teilnehmende; Finanzportfolio 1,3 Mrd. USD (davon 644,5 Mio. neu); kein globaler Dürre-Rahmen — vertagt auf COP18; Beschlüsse zu Dürre-Politikrahmen und Strategierahmen nach 2030; Ulaanbaatar-Erklärung der Kommunen bindend, Ziele freiwillig (LDN) keine [V]
Meer UNCLOS (1982) + BBNJ / Hochsee-Abkommen 60. Ratifikation 19.9.2025 → in Kraft seit 17.1.2026; 82 Ratifikationen per 14.1.2026; PrepCom-3 3–4/2026; COP1 Anfang 2027 New York; Sitz der Sekretariats offen (Chile, Belgien) bindend MPA-Ausweisung, UVP-Pflicht in ABNJ; Vollzug offen [V]
Meeresbergbau ISA / Mining Code 31. Sitzung 2026 (März + Juli, Kingston) ohne Verabschiedung des Mining Code; keine Abbaugenehmigung; Non-Compliance-Untersuchung gegen Vertragsnehmer (NORI/TOML), ITLOS-Kammer lässt Untersuchung fortführen; NORI-Explorationsvertrag dennoch verlängert; 40–43 Staaten für Moratorium/Pause; USA (nicht ISA-Mitglied) lizenziert parallel national (DSHMR Act, NOAA) bindend für ISA-Mitglieder institutionell schwach; Parallelregime USA unterläuft [V]
Chemikalien/Abfall Plastik-Abkommen (INC) INC-5.2 Genf 8/2025 ohne Text gescheitert; Vorsitz zurückgetreten; INC-5.3 Genf 7.2.2026 nur Wahl des neuen Vorsitzes (Julio Cordano, CL); HoD-Treffen Nairobi 7/2026; neuer Textentwurf für 8/2026 angekündigt; INC-5.4 im Lauf 2026 erwartet, Termin bei Redaktionsschluss offen noch kein Instrument — [V]
Erdsystem-Zustand Planetary Health Check (PIK) PHC 2025: 7 von 9 planetaren Grenzen überschritten, neu Ozeanversauerung; nur Ozonschicht und Aerosolbelastung im sicheren Bereich; alle überschrittenen Grenzen mit verschlechterndem Trend wissenschaftlich, nicht normativ — [V]
Entwicklung Agenda 2030 / SDGs SDG-Bericht 2026 (7.7.2026): von 139 auswertbaren Zielen 36 % auf Kurs oder mit moderatem Fortschritt, 49 % zu langsam, 15 % unter Basisjahr 2015 zurückgefallen; ODA 2025 um 23,1 % gesunken (größter je gemessener Rückgang); 2,1 Mrd. Menschen ohne sicher verwaltetes Trinkwasser politisch, nicht bindend Peer Review (HLPF) [V]
Wasser UN-Wasserkonferenz 2026 8.–10.12.2026 Abu Dhabi (ADNEC), Ko-Gastgeber VAE + Senegal; erste von zwei Ländern des Globalen Südens geleitete Wasserkonferenz; Ziel: Beschleunigung SDG 6 politisch — [V]
Recht/Haftung IGH-Gutachten Klimapflichten 23.7.2025, einstimmig: Staatenpflichten folgen nicht nur aus Klimaverträgen, sondern auch aus Menschenrechten und Völkergewohnheitsrecht; 1,5 °C als maßgebliches Temperaturziel; COP-Beschlüsse mit Rechtsgewicht; Staatenverantwortlichkeit inkl. Unterlassung und Wiedergutmachung; drittes Klimagutachten nach ITLOS (5/2024) und IAGMR (7/2025) Gutachten, formal nicht bindend Hebel für nationale und internationale Klagen [V]
Artenschutz CITES, CMS, Ramsar, Welterbekonvention laufende Vertragswerke, jeweils eigene COP-Zyklen bindend (CITES mit Handelssanktion) CITES vergleichsweise durchsetzungsstark [P]
Stoffe Basel/Rotterdam/Stockholm, Minamata, Montreal laufende Vertragswerke bindend Montreal-Protokoll mit Handelsklausel als Referenzfall wirksamer Durchsetzung [P]
Agrobiodiversität ITPGRFA (Saatgutvertrag) laufend, multilaterales System / Benefit-Sharing-Fonds bindend schwach [P]
Rechte UNDRIP, ILO 169, Escazú, Aarhus laufend teils bindend (ILO 169, Aarhus, Escazú) Aarhus Compliance Committee, Escazú mit Schutz von Umweltverteidiger:innen [P]

A3. Regime-Atlas — Europäische Union

Instrument Stand 09/2026 Wirkrichtung Beleg
EU-Klimagesetz, Ziel 2040 Rat endgültig grünes Licht 5.3.2026: −90 % Netto-THG ggü. 1990; ab 2036 bis zu 5 Prozentpunkte über internationale Gutschriften (Pilotphase 2031–2035) → mind. 85 % inländisch; Überprüfung alle zwei Jahre Ziel abgeschwächt gegenüber Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats (90–95 % inländisch) [V]
ETS2 (Verkehr, Gebäude) Start um ein Jahr auf 2028 verschoben; Gratiszuteilung Industrie über 2034 hinaus verlängert Preissignal verzögert, Verteilungsfrage vertagt [V]
Zwischenziel 2035 66,25–72,5 % Reduktion (Umweltrat 09/2025 bestätigt) NDC-Grundlage der EU [V]
Renaturierungsverordnung (NRR, VO 2024/1991) in Kraft seit 18.8.2024; Frist für Entwürfe der nationalen Wiederherstellungspläne: 1.9.2026 — vier Tage vor Redaktionsschluss abgelaufen; Kommission bewertet binnen 6 Monaten; Endfassung 1.9.2027; verbindliche Ziele 2030/2040/2050; Maßnahmen auf mind. 20 % der Land- und Meeresfläche bis 2030 derzeit wirksamster EU-Hebel auf Flächen [V]
Entwaldungsverordnung (EUDR) erneut verschoben (VO 2025/2650): Anwendung große/mittlere Unternehmen 30.12.2026, Kleinst-/Kleinunternehmen 30.6.2027; Sorgfaltspflichten gestrafft (u. a. einmalige vereinfachte Erklärung, Betriebsadresse statt Geodaten in Teilfällen, Druckerzeugnisse ausgenommen); Kommission zu weiterer Vereinfachungsprüfung bis 30.4.2026 verpflichtet Nachweistiefe reduziert → MRV-Qualität sinkt [V]
Omnibus I (CSRD/CSDDD) Ko-Gesetzgeber-Einigung 12/2025 zum Anwenderkreis von CSRD und CSDDD Berichtspflicht und Sorgfaltspflicht in Reichweite reduziert; genaue Schwellen [P] — vor Publikation prüfen [V]/[P]
Wasserrahmenrichtlinie, Meeresstrategie-RL, Wasserresilienzstrategie laufend; WRRL-Zielerreichung weit hinter Plan Rechtsrahmen stark, Vollzug schwach [P]
CBAM, Taxonomie, CRCF (Carbon Removals), Bodenüberwachung laufend/in Umsetzung Grenzausgleich, Finanzlenkung, Senkenzertifizierung [P]

A4. Terminleiste 2026–2028 (verifiziert, soweit markiert)

Datum Ereignis Beleg
17.1.2026 BBNJ in Kraft [V]
5.3.2026 EU-Klimaziel 2040 endgültig beschlossen [V]
3–4/2026, 7/2026 ISA-Sitzungen ohne Mining Code [V]
7.7.2026 SDG-Bericht 2026 [V]
17.–28.8.2026 UNCCD COP17 Ulaanbaatar (abgeschlossen) [V]
1.9.2026 Frist NRP-Entwürfe EU-27 [V]
5.–8.10.2026 Pre-COP Fidschi [V]
19.–30.10.2026 CBD COP17 Jerewan, erster Global Review [V]
9.–20.11.2026 UNFCCC COP31 Antalya [V]
8.–10.12.2026 UN-Wasserkonferenz Abu Dhabi [V]
30.12.2026 EUDR-Anwendung große/mittlere Unternehmen [V]
Anfang 2027 BBNJ COP1 New York [V]
1.9.2027 NRP-Endfassungen [V]
2028 ETS2-Start [V]
2026, Termin offen INC-5.4 Plastik [V]

A5. Lückenanalyse — acht strukturelle Defizite

  1. Konsensregel als Vetoarchitektur. In UNFCCC, UNCCD und INC blockieren kleine Koalitionen substanzielle Beschlüsse (Belém: Streichung jeder Erwähnung fossiler Brennstoffe; Ulaanbaatar: kein Dürre-Rahmen; Genf: kein Plastiktext). Das Verfahren erzeugt systematisch das Ergebnis des zurückhaltendsten Akteurs.
  2. Fehlende Interessenkonfliktregel. Im Klimaregime existiert keine Regelung zu Interessenkonflikten; Vertretungen fossiler Industrien sind auch Teil von Regierungsdelegationen.
  3. Ziel ohne Zurechnung. Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung „bis 2035" ohne Basisjahr, ohne Beitragsschlüssel, ohne Adressat: ein Ziel, dessen Verfehlung niemandem zugerechnet werden kann.
  4. MRV-Asymmetrie. Berichtspflichten treffen die Regelungsunterworfenen, nicht die Verfügungsträger. Vereinfachungen (EUDR, Omnibus) reduzieren zuerst die Datentiefe, aus der Verantwortung überhaupt erst rekonstruierbar wäre.
  5. Verlagerung statt Reduktion. Internationale Gutschriften (EU 2040), Auslagerung von Produktion und Abbau, nationale Parallelregime (US-Tiefseebergbau) verschieben Belastung, statt sie zu senken. Bilanzgrenzen entscheiden über das Ergebnis mehr als Maßnahmen.
  6. Fragmentierung. Klima, Biodiversität, Land, Wasser, Chemikalien, Handel und Menschenrechte werden in getrennten Foren mit getrennten Zyklen, Indikatoren und Sekretariaten verhandelt; Synergien und Zielkonflikte bleiben unbilanziert.
  7. Vollzugsdefizit auf nationaler Ebene. Rechtsrahmen (WRRL, Natura 2000, NRR) sind materiell stark, aber personell und verfahrensmäßig unterausgestattet; Fristverlängerungen sind der Regelfall, nicht die Ausnahme.
  8. Datenlücken als Vetoressource. Wo Basisdaten fehlen (ISA: fehlende Umweltschwellen; UNCCD: Dürre-Indikatoren; SDG: Trenddaten für 30 von 169 Zielen), wird die Lücke zum Argument gegen Regulierung statt für Vorsorge.

A6. Einordnung in FORSCH-0083 (ρ/δ)

Der Befund ist eine Domäneninstanz der Risiko-Verfügungs-Asymmetrie: Die Träger des Risikos (ρ) — klimaexponierte Regionen, flussabwärts liegende Nutzer, Küstenbevölkerungen, künftige Generationen, nichtmenschliche Populationen — sind weitgehend deckungsgleich nicht die Träger der Verfügung (δ) über Emission, Landnutzung, Wasserentnahme und Abbau. Jede der acht Lücken lässt sich als Mechanismus lesen, der ρ und δ auseinanderhält: Vetoarchitektur, Bilanzgrenzen, MRV-Asymmetrie und Datenlücken sind Entkopplungstechniken. Wirksamkeit eines Instruments wird in diesem Werk daher primär daran gemessen, ob es ρ und δ zusammenführt — nicht daran, ob ein Ziel formuliert wurde.

A7. Nachtrag v1.0 (2026-09-06) — Auflösung der [P]-Zeilen

Die folgenden Zeilen aus A2 und A3 sind nachbelegt und ersetzen dort die Marke [P]:

Regime Stand, verifiziert Beleg
CITES CoP20 24.11.–5.12.2025 Samarkand, 50. Jubiläum, 184 Parteien, 4.638 Delegierte; 77 Arten neu in die Anhänge (u. a. Haie, Leguane); südafrikanische Anträge auf Wiederöffnung des Nashorn- und Elfenbeinhandels per Geheimabstimmung abgelehnt; Budget +6,98 % für 2026–2028 [V]
CMS COP14 12.–17.2.2024 Samarkand; erster „State of the World's Migratory Species": 44 % der gelisteten Arten mit Populationsrückgang, 22 % vom Aussterben bedroht, 97 % der gelisteten Fische bedroht; Samarkand Strategic Plan 2024–2032. COP15 23.–29.3.2026 Campo Grande — Detailbeschlüsse bisher nur aus NGO- und ENB-Berichten [V] / Beschlüsse NGO-Quelle
Ramsar 172 Vertragsparteien; COP15 23.–31.7.2025 Victoria Falls; 5. Strategieplan 2025–2034, Kernbudget +4,1 % auf 15,5 Mio. CHF. Global Wetland Outlook 2025: seit 1970 rund 411 Mio. ha Feuchtgebiete verloren (~22 % des Bestands), jährlicher Rückgang 0,52 % — die verbreitete 35-%-Zahl bezieht sich auf Verluste seit 1700 [V]
Welterbekonvention 47. Sitzung des Komitees 6.–16.7.2025 Paris, 26 neue Stätten, 196 Vertragsstaaten [V]
Basel / Rotterdam / Stockholm BRS-COPs gemeinsam 28.4.–9.5.2025 Genf; Stockholm: drei neue POPs in Anhang A, darunter Chlorpyrifos (mit befristeten Ausnahmen) und langkettige Perfluorcarbonsäuren; Rotterdam konnte Chlorpyrifos nicht in Anhang III aufnehmen [V]
Minamata COP-6 3.–7.11.2025 Genf, 22 Beschlüsse, Quecksilberabfall-Schwellenwerte angenommen; zweite vollständige nationale Berichte bis 31.12.2025 fällig [V]
ITPGRFA GB 11 Ende November 2025 Lima; Verhandlungen zur Erweiterung des Multilateralen Systems und zur Revision der SMTA am Konsens gescheitert, Entscheidungen auf GB 12 vertagt; MLS weiterhin 35 Nahrungskulturen und 29 Futterpflanzen; USA nur Beobachter [V]
CBAM Übergangsphase bis 31.12.2025, Definitivphase seit 1.1.2026; Omnibus-Änderung VO (EU) 2025/2083 (in Kraft 20.10.2025): massebasierte De-minimis-Schwelle 50 t/Jahr befreit rund 90 % der Importeure, deckt aber 99 % der eingebetteten Emissionen; erste Zertifikatsabgabe 30.9.2027 für Importe 2026 [V]
CRCF VO (EU) 2024/3012 in Kraft 6.12.2024; erster delegierter Rechtsakt für permanente Entnahmen 3.2.2026 (DACCS, BioCCS, Biochar); Carbon-Farming-Methodologien 10.7.2026 [V]
Bodenüberwachung Richtlinie (EU) 2025/2360, veröffentlicht 26.11.2025, in Kraft 16.12.2025 — erste EU-Bodengesetzgebung; harmonisiertes Monitoring, Ziel gesunde Böden 2050 nicht bindend; Umsetzung bis 16.12.2028, erste Berichtsfrist 16.12.2031; kontaminierte Standorte binnen 10 Jahren in ein öffentliches Register. Begründung: 60–70 % der EU-Böden ungesund, Kosten über 50 Mrd. €/Jahr [V]
CSRD / CSDDD Omnibus I als Richtlinie (EU) 2026/470, veröffentlicht 26.2.2026, in Kraft 18.3.2026, Umsetzung bis 26.7.2027. CSRD künftig: mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz; börsennotierte KMU herausgenommen. CSDDD: mehr als 5.000 Beschäftigte und mehr als 1,5 Mrd. € Umsatz, Anwendung auf Juli 2029 verschoben, Pflicht zur Umsetzung des Klimatransitionsplans gestrichen [V]
Planetary Health Check PHC 2026 erschienen am 21.9.2026 (PIK, Planetary Boundaries Science Lab, über 60 Autorinnen und Autoren): weiterhin 7 von 9 Grenzen überschritten, alle überschrittenen mit sich verschlechterndem Trend (Rekord-Ozeanwärme, Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände, Extremhitze); diskutiert wird, ob Modelle die Resilienz der Landkohlenstoffsenke überschätzen. PHC 2025 (DOI 10.48485/pik.2025.017) hatte die Ozeanversauerung erstmals als siebte überschrittene Grenze eingestuft; CO₂ 423 ppm gegen eine Grenze von 350 ppm [V]
Plastik-INC nach INC-5.2 (8/2025) und INC-5.3 (7.2.2026, nur Vorsitzwahl) informelles Heads-of-Delegation-Treffen 30.6.–3.7.2026 in Nairobi unter Ausschluss der Zivilgesellschaft; Schreiben des Vorsitzenden 29.7.2026; am 8.8.2026 informelles Referenzdokument „Aid to Negotiations"; zweites informelles HoD-Treffen 27.–30.9.2026 in Bangkok angekündigt; Termin für INC-5.4 bleibt widersprüchlich (März 2027 bzw. „Anfang 2027" bzw. „Ende 2026"), Ort nicht bestätigt [V] / Termine teils Branchen- und Medienquellen

Zwei Befunde aus dem Nachtrag. Erstens: Die Bodenüberwachungsrichtlinie ist das erste EU-Bodengesetz überhaupt und kommt ohne bindendes Ziel — Monitoring ohne Rechtsfolge, also Glied 1 und 2 ohne Glied 4. Zweitens: Die Omnibus-Schwellen verschieben CSRD und CSDDD aus dem Bereich, in dem Lieferkettenverantwortung überhaupt zurechenbar wäre; zusammen mit der EUDR-Verdünnung ist das innerhalb eines Jahres die dritte Absenkung der Nachweistiefe. Für das Rückschrittsverbot (Leitfaden, Ansatz 3) ist damit der empirische Beleg vollständig.

A8. Nachtrag v1.1 (2026-10-20) — Auflösung der restlichen Belegpunkte

Punkt Stand, verifiziert Beleg
Monetarisierungskritik peer-reviewte Grundlagen- und Anschlussliteratur eingearbeitet, siehe U2 Abschnitt 6 [V]
Amtliche Kostensätze Österreich kein amtlicher Schadenskostensatz je Tonne CO₂ vorhanden; das Umweltbundesamt Österreich rechnet in REP-0873 mit einem aus Edenhofer et al. 2019 übernommenen Korridor von 40–213 € (Preisbasis 2021) für 2021 und 72–462 € für 2030. Der nationale CO₂-Preis (30 / 32,5 / 45 / 55 € je t in 2022–2025) ist ein Lenkungspreis, kein Schadenskostensatz [V]
Amtliche Kostensätze Schweiz ARE, „Externe Effekte des Verkehrs 2021", Schlussbericht 16.12.2024 (INFRAS, Ecoplan): Klimakostensatz 430 CHF/t CO₂ für 2021, zuvor 140 CHF; gerechnet mit demselben GIVE-Modell wie das deutsche UBA. Wirkung: Klimakosten des Verkehrs verdreifacht, plus über 8 Mrd. CHF; externe Kosten des Straßenverkehrs 2021 knapp 22 Mrd. CHF [V]
Umweltschädliche Subventionen Österreich WIFO-Endbericht Dezember 2022 (Kletzan-Slamanig, Köppl, Sinabell u. a., im Auftrag des BMK): 4,1–5,7 Mrd. € jährlich, davon 61 % Verkehr, davon rund drei Viertel Straßenverkehr. Vorgängerstudie 2016: 3,8–4,7 Mrd. € (Ø 2010–2013); Vergleich wegen geänderter Abgrenzung nur eingeschränkt möglich, systematische Reformen wurden nicht festgestellt [V]
Ökosystemgesamtrechnung VO 691/2011 am 6.12.2024 um Ökosystemkonten erweitert; erste verpflichtende Übermittlung an Eurostat bis Ende Dezember 2026 für das Referenzjahr 2024; monetäre Bewertung bewusst ausgeklammert, Machbarkeitsstudie binnen 18 Monaten. Statistik Austria hat eine Methodenbeschreibung veröffentlicht (Rasterkarte 10×10 m, Basislayer Landbedeckung STATeo8) [V]
Menschenrecht auf Wasser A/RES/64/292 vom 28.7.2010, angenommen mit 122 Ja : 0 Nein : 41 Enthaltungen; Österreich enthielt sich. Menschenrechtsrat A/HRC/RES/15/9 vom 30.9.2010 im Konsens: Ableitung aus dem Recht auf angemessenen Lebensstandard. A/RES/70/169 vom 17.12.2015 trennt Wasser und Sanitärversorgung in zwei gleichrangige Rechte [V]
Donau DRBMP Update 2021: guter chemischer Zustand auf 8.227 km = 28,2 %; 8.350 km = 28,7 % nicht gefährdet, den guten ökologischen Zustand oder das gute Potenzial zu verfehlen; für 6.374 km lagen keine ökologischen Risikodaten vor; 868 Wasserkörper plus Hauptstrom. Die basisweite Kernmetrik ist als Risiko der Zielverfehlung geführt, nicht als reine Zustandsklassifikation [V]
Restwasser und Wasserkraft Österreich 3. Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP 2021, GZ 2022-0.270.788, Verordnung BGBl. II 182/2022, in Kraft 10.5.2022): 8.116 Wasserkörper, 32.101 km; hydromorphologische Belastungen sind Hauptursache der Zielverfehlung (rund 66 % der betroffenen Strecken laut regionalen Fachgutachten); eigene Belastungskapitel zu Restwasser, Schwall-Sunk, Aufstau, Wanderhindernis. Rechtsrahmen: EuGH C-461/13 „Weser" (1.7.2015) macht das Verschlechterungsverbot zur zwingenden Zulassungsvoraussetzung; EuGH C-346/14 „Schwarze Sulm" (4.5.2016) weist die Kommissionsklage ab und lässt die Genehmigung über das überwiegende öffentliche Interesse nach Art. 4 Abs. 7 WRRL zu; RED III (RL (EU) 2023/2413) Art. 16f fügt eine widerlegliche Vermutung des überragenden öffentlichen Interesses hinzu, mit ausdrücklicher Beschränkungsmöglichkeit für Wasserkraft [V]
Planetary Health Check 2026 erschienen, siehe A7 [V]
INC-5.4 Termin weiterhin nicht bestätigt, siehe A7 [V]

A9. Was offen bleibt


PART B — ENGLISH

B1. Purpose

This sub-work records the verified state of the international, European and regional regimes that hold disposal power over biological resources, land, water, sea, atmosphere and material flows. It is the basis for the gap analysis, the practice guide and the tool specification.

Evidence marks. [V] = verified against a primary or institutional source in the research session of 2026-09-05; [P] = plausible from prior knowledge, must be checked before publication. No [P] row may enter a publication unchecked.

B2. Global regime atlas (condensed; figures as in Part A)

Regime State as of 09/2026 Enforcement Mark
UNFCCC/Paris COP30 Belém (11/2025) closed with the "Global Mutirão" decision: no mention of fossil fuels, no phase-out roadmap; adaptation finance to be tripled by 2035 without base year or contributor key; new Just Transition Mechanism no sanctions; transparency framework only [V]
COP31 9–20 Nov 2026, Antalya (Türkiye host, Australia presiding over negotiations); pre-COP Fiji 5–8 Oct 2026; COP32 Addis Ababa 2027 — [V]
CBD / KMGBF COP17 19–30 Oct 2026, Yerevan; first Global Review of framework implementation; Cali Fund (DSI) to be operationalised; Nagoya MOP-6 and Cartagena MOP-12 in parallel reporting only [V]
UNCCD COP17 17–28 Aug 2026, Ulaanbaatar; USD 1.3 bn finance portfolio (USD 644.5 m new); no global drought framework — deferred to COP18 none [V]
BBNJ / High Seas in force since 17 Jan 2026 (60th ratification 19 Sep 2025; 82 ratifications by 14 Jan 2026); PrepCom-3 spring 2026; COP1 in New York, early 2027 MPAs and EIA duties in ABNJ; implementation untested [V]
ISA seabed mining 31st session (Mar and Jul 2026) closed without a Mining Code and without any exploitation approval; non-compliance inquiry into contractors continues after ITLOS ruling; NORI exploration contract extended nonetheless; 40–43 states support a moratorium; the US licenses unilaterally outside the ISA regime institutionally weak; parallel national regime undercuts it [V]
Plastics treaty INC-5.2 (Geneva, Aug 2025) failed; new chair Julio Cordano elected at the one-day INC-5.3 (7 Feb 2026); heads-of-delegation talks Nairobi Jul 2026; new draft text announced for Aug 2026; informal heads-of-delegation meeting 30 Jun–3 Jul 2026 in Nairobi, chair's reference document "Aid to Negotiations" of 8 Aug 2026, second informal meeting announced for 27–30 Sep 2026 in Bangkok; INC-5.4 date contradictory across sources (March 2027 / early 2027 / late 2026), venue unconfirmed no instrument yet [V]
Planetary Health Check 2026 (21 Sep 2026, PIK, 60+ authors) seven of nine planetary boundaries transgressed, unchanged in number and worsening in trend, ocean acidification newly among them; only ozone and aerosol loading remain inside the safe space; all transgressed boundaries worsening scientific, not normative [V]
SDGs 2026 report (7 Jul 2026): of 139 assessable targets, 36 % on track or progressing moderately, 49 % too slow, 15 % below the 2015 baseline; ODA fell 23.1 % in 2025; 2.1 bn people without safely managed drinking water peer review only [V]
UN Water Conference 8–10 Dec 2026, Abu Dhabi; co-hosted by UAE and Senegal; SDG 6 acceleration — [V]
ICJ advisory opinion 23 Jul 2025, unanimous: state obligations arise from human rights and customary law as well as climate treaties; 1.5 °C as the operative goal; COP decisions carry legal weight; state responsibility including reparation non-binding, but a lever for litigation [V]

B3. EU layer (condensed)

Instrument State as of 09/2026 Mark
2040 climate target final Council green light 5 Mar 2026: −90 % net vs 1990; up to 5 percentage points via international credits from 2036 (pilot 2031–2035), i.e. ≥85 % domestic; biennial review [V]
ETS2 start postponed to 2028; industry free allocation extended beyond 2034 [V]
Nature Restoration Regulation draft national restoration plans were due 1 Sep 2026; Commission assessment within six months; final plans 1 Sep 2027; binding targets 2030/2040/2050; measures on ≥20 % of land and sea by 2030 [V]
EUDR application postponed to 30 Dec 2026 (micro/small: 30 Jun 2027) with streamlined due diligence [V]
Omnibus I (CSRD/CSDDD) co-legislator agreement Dec 2025 on scope; exact thresholds [P] — verify before publication [V]/[P]

B4. Eight structural gaps

Consensus rule as veto architecture · no conflict-of-interest rule · targets without attribution · MRV asymmetry (duties fall on the regulated, not on those holding disposal power) · displacement instead of reduction (credits, offshoring, parallel regimes) · fragmentation across conventions · national implementation deficit · data gaps used as a veto resource rather than a precaution trigger.

B5. Placement under FORSCH-0083

The finding is a domain instance of the risk/disposal asymmetry: those bearing the risk (ρ) are largely not those holding disposal power (δ). Each of the eight gaps can be read as a decoupling technique. Effectiveness in this work is therefore measured by whether an instrument re-couples ρ and δ, not by whether a target was formulated.