Verfügung über das Erdsystem · Syntagma Forschung
Werkzeugstrang — Spezifikation v0.1
TEIL A — DEUTSCH
A1. Gemeinsame Bauregeln
- Browserseitig, offline lauffähig, keine Serverpflicht, kein Nutzerkonto, keine Telemetrie. Daten bleiben lokal; Import/Export als CSV, JSON, GeoJSON.
- Werteannahmen als sichtbare Schalter. Diskontsatz, Allokationsregel, Bilanzgrenze, Schadensfunktion sind nie im Code vergraben, sondern Bedienelemente mit dokumentierter Wirkung.
- Unsicherheit ist Pflichtfeld. Kein Punktwert ohne Bandbreite; jede Ausgabe führt Quelle, Stand, Methode und Unsicherheit mit.
- Auditpfad. Jede Berechnung erzeugt ein reproduzierbares Protokoll (Eingaben, Version, Parameter, Prüfsumme).
- Verweigerungsanzeige. Wo eine Größe nicht sinnvoll monetarisierbar oder aggregierbar ist, gibt das Werkzeug eine begründete Verweigerung aus statt einer Zahl. Das ist ein Feature, kein Fehler.
- Modular und erweiterbar, gemeinsames Datenschema, jedes Werkzeug einzeln lauffähig und in Kette koppelbar.
- Namenskonvention deutsch/Werkstatt; keine „Forge"-Namen.
A2. Die sechs Werkzeuge
| Kennung | Name | Aufgabe | Kernausgabe |
|---|---|---|---|
| W1 | REGISTERWERK | Regime-, Pflichten- und Fristenregister | Pflichtenkarte mit Terminen und Zuständigkeiten |
| W2 | WAAGWERK | Bewertung externer Kosten, mehrrahmig | Kostenbandbreite je Rahmen + Verweigerungsfelder |
| W3 | QUELLWERK | Wasserbilanz und Zuteilung im Einzugsgebiet | Bilanz, Mindestabfluss, Zuteilungsvarianten |
| W4 | SCHWELLENWERK | Tragfähigkeit und regionaler Handlungsraum | Deckel je Größe, Auslastungsgrad |
| W5 | PRÜFWERK | Indikator- und MRV-Qualitätsprüfung | Lückenbericht, Manipulationsanfälligkeit |
| W6 | VOLLZUGSWERK | Vollzugskette und Wirksamkeitsprüfung | schwächstes Glied je Instrument, Abweichungsalarm |
A3. Kurzspezifikationen
W1 REGISTERWERK. Eingabe: Ebene (global/EU/national/regional), Sektor, Ort. Datenmodell: Regime → Instrument → Pflicht → Adressat → Frist → Nachweisart → Rechtsfolge → Quelle → Belegmarke [V]/[P]. Funktionen: Fristenkalender, Zuständigkeitsauflösung, Kollisionsanzeige zwischen Regimen (z. B. Senkenziel vs. Habitatziel auf derselben Fläche), Export als Prüfliste. Erstbefüllung aus der Regimekarte U1.
W2 WAAGWERK. Eingabe: physische Ströme und Schäden. Rechnet in vier Rahmen (territorial, produktions-, konsum-, eigentumsbasiert) und drei Bewertungsmodi (Vermeidungskosten, Schadenskosten, Wiederherstellungskosten). Schalter: Diskontsatz inkl. Null- und Zeitpräferenzvarianten, Risikoaversion, Verteilungsgewichtung. Pflichtausgabe: Sensitivitätstafel, die zeigt, wie stark das Ergebnis von der Wertentscheidung und wie schwach es von den Messdaten abhängt. Verweigerungsfelder für nicht substituierbare Verluste (Artverlust, Menschenleben, kulturelle Stätten) — dort keine Geldzahl, sondern Mengen- und Irreversibilitätsangabe.
W3 QUELLWERK. Einzugsgebietsbilanz: Niederschlag, Abfluss, Entnahme, Rückführung, Speicheränderung, virtueller Wasserimport/-export. Funktionen: ökologischer Mindestabfluss, Trockenjahr-Szenario, Zuteilung nach wählbarer Regel mit Menschenrechtsminimum als nicht handelbarer Vorabzuteilung, Konkurrenzmatrix Landwirtschaft/Trinkwasser/Energie/Industrie/Ökologie, grenzüberschreitende Aufteilung mit Ober-/Unterlieger-Anzeige.
W4 SCHWELLENWERK. Herunterskalierung globaler Grenzwerte auf Region und Betrieb mit explizit wählbarem Allokationsschlüssel (pro Kopf, historisch, Bestand, Fläche, Bedarf). Ausgabe: Deckel, aktuelle Auslastung, Überschreitungsjahr, Restbudget und der ehrliche Hinweis, wie stark der Deckel vom gewählten Schlüssel abhängt. Keine Voreinstellung ohne sichtbare Begründung.
W5 PRÜFWERK. Prüft einen vorhandenen Indikatorsatz auf: Zieldeckung (misst der Indikator die Zielgröße oder ein Surrogat?), Datenlücken, Aktualität, Doppelzählung, Manipulationsanfälligkeit (Basisjahrwahl, Schwellenwertspringen, Definitionswechsel), Vergleichbarkeit über Zeit. Ausgabe: Lückenbericht mit Rangfolge der kritischsten Schwächen.
W6 VOLLZUGSWERK. Bildet je Instrument die fünf Vollzugsglieder ab, bewertet jedes einzeln und weist das schwächste als Systemnote aus (Minimumregel, kein Mittelwert). Zusatzfunktion: Abweichungsalarm bei Fristüberschreitung, Zielverfehlung ohne Rechtsfolge oder Absenkung von Nachweistiefe (Rückschritts-Erkennung).
A4. Kopplung
W1 liefert Pflichten und Fristen → W4 setzt den Deckel → W3/W2 rechnen Bilanz und Kosten → W5 prüft die Indikatorik → W6 prüft die Durchsetzbarkeit. Gemeinsames Schema verfuegung.schema.json (zu entwerfen), damit die Kette ohne manuelle Umformatierung läuft.
A5. Reifegrad und nächste Schritte
Nachtrag 2026-10-20: W1 REGISTERWERK, W2 WAAGWERK, W5 PRÜFWERK und W6 VOLLZUGSWERK sind gebaut und liegen unter plattform/. Offen bleiben W3 QUELLWERK und W4 SCHWELLENWERK; beide brauchen regionale Realdaten, also zuerst die Entscheidung, welches Einzugsgebiet als Prüffall dient.
Abweichung von der Minimumregel in W5, bewusst gesetzt. W6 benotet nach dem schwächsten Glied, weil Vollzug eine Kette ist: Fehlt die Rechtsfolge, trägt nichts mehr. Ein Indikatorsatz ist keine Kette. W5 unterscheidet daher zwei Ausschlusskriterien — Zieldeckung und Manipulierbarkeit — von drei Gütekriterien. Ein Surrogat oder ein manipulierbarer Wert macht den Indikator untauglich; schwache Unabhängigkeit, Abdeckung oder Zeitreihenlesbarkeit deckeln die Note auf „eingeschränkt brauchbar", ziehen sie aber nicht auf null. Die Regel steht im Werkzeug selbst, damit die Abweichung nicht stillschweigend bleibt.
Stand bei Erstfassung: Spezifikation. Kein Code, kein Prototyp, keine Datenbefüllung. Nächste sinnvolle Schritte in dieser Reihenfolge: (1) Datenschema entwerfen, (2) W1 als statisches Register mit den [V]-Zeilen aus U1 bauen, (3) W6 als Bewertungsraster ohne Datenanbindung, (4) W2 mit synthetischen Beispieldaten, (5) W3/W4 zuletzt, weil sie regionale Realdaten brauchen.
PART B — ENGLISH
B1. Common build rules
Browser-side and offline-capable, no server, no account, no telemetry; local data with CSV/JSON/GeoJSON import and export. Value assumptions (discount rate, allocation rule, accounting boundary, damage function) are visible controls, never buried in code. Uncertainty is a mandatory field. Every computation writes a reproducible audit record. Where a quantity cannot meaningfully be monetised or aggregated, the tool returns a reasoned refusal instead of a number — a feature, not a defect. Modular, extensible, shared schema, individually runnable and chainable. German workshop naming; no "Forge" names.
B2. The six tools
| ID | Name | Task |
|---|---|---|
| W1 | REGISTERWERK | register of regimes, duties and deadlines |
| W2 | WAAGWERK | multi-frame external cost valuation with refusal fields |
| W3 | QUELLWERK | catchment water balance and allocation |
| W4 | SCHWELLENWERK | carrying capacity and regional safe operating space |
| W5 | PRÜFWERK | indicator and MRV quality audit |
| W6 | VOLLZUGSWERK | enforcement chain and effectiveness audit |
Key design points: W2 outputs a sensitivity table showing how strongly the result depends on the value choice versus the measurement data, and refuses to price non-substitutable losses. W4 requires an explicitly chosen allocation key and states how much the cap depends on it. W6 grades an instrument by its weakest enforcement link, never by an average, and raises a backsliding alarm when targets or evidentiary depth are lowered.
B3. Chaining and maturity
W1 → W4 → W3/W2 → W5 → W6 over a shared verfuegung.schema.json (to be drafted). Current state: specification only — no code, no prototype, no data. Build order: schema, W1 (static register from the verified U1 rows), W6 (rating grid), W2 (synthetic data), then W3 and W4, which need real regional data.