Syntagma Forschung

Syntagma-Syntax 1.0

Syntagma Syntax 1.0

Eine gemeinsame Schreibweise für hochspezialisierte, transdisziplinäre Forschung: Frage, Begriffe, Aussagen mit Stufen, Prüfungen, Grenzen und Verknüpfungen – an jedem Werk der Plattform.

A common notation for highly specialised, transdisciplinary research: question, terms, graded statements, tests, limits and links – on every work of the platform.

SATZBAU öffnen / open Netz der KartenNetwork of cards JSON-Schema PrüfprogrammChecker

Syntagma-Syntax 1.0

Eine gemeinsame Schreibweise für transdisziplinäre Forschung

SYN-PROV0003 (vorläufig) · Fassung 1.0 · 14.10.2026 · Thomas Schüller, Syntagma Forschung, Wien · ORCID 0009-0003-9799-6747 · CC BY 4.0

1. Wozu

Hochspezialisierte Fächer scheitern beim Zusammenarbeiten selten an fehlendem Wissen, sondern an der Form, in der Wissen vorliegt. Ein Rechtsbefund, eine Messreihe und eine Hypothese aus der Verhaltensbiologie stehen in drei Fachsprachen, mit drei Begriffen von „belegt“ und ohne gemeinsame Stelle, an der sie sich berühren. Die Syntagma-Syntax gibt jedem Werk dieselbe Gliederung: was es fragt, worüber es spricht, mit welchen Begriffen, was es behauptet, wie gut belegt, wie man es widerlegen könnte, wo es endet und womit es verbunden ist.

Sie ersetzt keine Fachsprache. Sie ist die Schicht darüber, an der Fächer andocken. Ein Syntagma ist im Wortsinn eine geordnete Verbindung von Gliedern; die Plattform trägt den Namen, weil sie genau das herstellen will.

Grundsätze

  1. Gliedern statt glätten. Jede Aussage behält ihr Fach, ihre Stufe und ihre Quelle. Nichts wird vereinheitlicht, was verschieden ist.
  2. Stufe vor Stil. Wie gut eine Aussage belegt ist, steht an der Aussage, nicht im Ton des Textes.
  3. Prüfbar oder als Vermutung markiert. Jede Hypothese nennt die Beobachtung, an der sie fällt.
  4. Jede Karte nennt ihre Grenze. Es gibt keine Karte ohne Angabe, wofür sie nicht gilt (keine Weltformel).
  5. Übertragung nur mit Grenze. Wer einen Befund in ein anderes Fach überträgt, sagt, wo die Übertragung endet.
  6. Sache vor Namen. Ein Begriff ist erst mit seiner Bestimmung eingeführt; das Fachwort folgt der Sache.
  7. Lesbar für Menschen, prüfbar für Maschinen. Die Notation ist Klartext; dieselbe Karte liegt als JSON vor.
  8. Zweisprachig. Jedes Glied trägt Deutsch und Englisch.

2. Die zwölf Glieder

Sigel Glied Pflichtangaben Bedeutung
F Frage – Forschungsfrage des Werks
G Gegenstand – (empfohlen: ebene, ort, zeit) untersuchtes System
B Begriff Begriff := Bestimmung, fach: Begriff mit Herkunftsfach; bruecke: fach=Entsprechung verbindet zu einem anderen Fach
A Annahme – gesetzte, nicht geprüfte Voraussetzung
H Hypothese Geltungsstufe, pruefung: P… prüfbare Vermutung
S Satz Geltungsstufe, ab G2 belege: Q… Aussage, Befund
Q Quelle Quellenstufe, ort: oder nachweis: Beleg
M Methode – Vorgehen
X Messgröße einheit: messbare Größe; misst: G…
P Prüfung – Bedingung, unter der eine Hypothese oder ein Satz fällt
L Grenze – Geltungsbereich, Ausgeschlossenes
O Offen – offene Frage, nächster Schritt

3. Geltungsstufen (S, H)

Stufe Bedeutung
G0 Spekulation
G1 Vermutung, prüfbar gefasst
G2 plausibel, indirekt belegt
G3 belegt, eine Primärquelle
G4 gesichert, mehrere unabhängige Belege
G5 fachlicher Konsens
W widerlegt
U unentscheidbar

Werke mit eigenem Bewertungsschema (Zonenmodelle, G/W/O-Datenqualität eines Verzeichnisses) behalten es im Werk; die Karte bildet es auf diese Stufen ab und nennt die Abbildung in einem A-Glied.

4. Quellenstufen (Q)

Stufe Bedeutung
T1 amtliche Primärquelle: Norm, Erkenntnis, amtlicher Bericht, Rohdaten
T2 begutachtete Fachliteratur
T3 graue Literatur, Verbände, NGO; nur gekennzeichnet
T4 Presse, nur als Anlass- oder Ereignisnachweis
T5 Eigenerhebung
T6 unbelegt

5. Verknüpfungen

Eine Verknüpfung verbindet zwei Glieder, zwei Werke oder ein Werk mit einem Werkzeug. Ziele: S3 (dieselbe Karte), werk:<slug>, werk:<slug>#S3, werkzeug:<slug>, kennung:<KENNUNG>.

Art Deutsch Englisch DataCite
stuetzt stützt supports References
widerspricht widerspricht contradicts References
praezisiert präzisiert refines IsDerivedFrom
verallgemeinert verallgemeinert generalises References
uebertraegt überträgt (mit grenze: L…) transfers IsDerivedFrom
benoetigt benötigt requires Requires
misst misst measures References
wendet-an wendet an applies IsDerivedFrom
ist-fall-von ist Fall von is instance of IsVariantFormOf
verweist verweist auf references References
teil-von ist Teil von is part of IsPartOf

Die DataCite-Spalte erlaubt, Verknüpfungen in Ablage-Metadaten (related_identifiers) zu übernehmen.

6. Notation

Eine Karte ist eine UTF-8-Textdatei mit der Endung .syx. Eine Zeile ist ein Glied.

§ <slug> <KENNUNG>
@titel Titel ‖ Title
@stand JJJJ-MM-TT
@bearbeitung Name
<ID> [Stufe] Text Deutsch ‖ Text English | schlüssel: wert | schlüssel: wert
V <von> <art> <nach> | grenze: L…
# Kommentar
  • ‖ trennt die Sprachen (Ersatzschreibweise ||), | trennt Zusatzangaben.
  • ID: Sigel plus Nummer (S12), je Karte eindeutig.
  • Stufe in eckigen Klammern: [G3] bei S und H, [T1] bei Q.

Beispiel

§ beispiel-werk FORSCH-PROV0000
@titel Beispiel ‖ Example
F1 Warum scheitert Abschreckung an Gewöhnung? ‖ Why does deterrence fail through habituation?
B1 Habituation := Abnahme einer Reaktion auf einen wiederholten, folgenlosen Reiz ‖ Habituation := decrease of a response to a repeated stimulus without consequence | fach: verhaltensbiologie | bruecke: recht=Abstumpfung gegenüber Sanktionen
S1 [G4] Reaktionen auf visuelle Abschreckung nehmen innerhalb weniger Wochen ab ‖ Responses to visual deterrents decline within weeks | belege: Q1 Q2
Q1 [T2] Übersichtsarbeit ‖ Review | nachweis: Autor Jahr
Q2 [T2] Feldstudie ‖ Field study | nachweis: Autor Jahr
H1 [G1] Wechselnde Reize verzögern die Gewöhnung ‖ Alternating stimuli delay habituation | pruefung: P1
P1 Fällt, wenn wechselnde Reize dieselbe Abnahmekurve zeigen ‖ Fails if alternating stimuli show the same decline curve
L1 Nur nicht-letale Verfahren; keine Standortempfehlung ‖ Non-lethal methods only; no site recommendation
V B1 uebertraegt werk:anderes-werk | grenze: L1

7. Prüfregeln

Regel Inhalt Folge
R1 Kopf § slug KENNUNG vorhanden Fehler
R2 IDs gültig und eindeutig, jedes Glied mit Text Fehler
R3 S und H mit Geltungsstufe; ab G2 mit Belegen, die in der Karte stehen; G4 mit mindestens zwei Quellen Fehler / Hinweis
R4 jede Hypothese mit Prüfung Fehler
R5 jede Quelle mit Quellenstufe und Fundstelle; Stufe G3+ nicht nur auf T4/T6 Fehler / Hinweis
R6 Begriffe mit Bestimmung und Fach, Messgrößen mit Einheit, Brücke als fach=Entsprechung Fehler
R7 mindestens eine Frage und eine Grenze Fehler
R8 Verknüpfungen mit bekannter Art und gültigen Zielen; Übertragung mit Grenze Fehler
R9 englische Fassung je Glied Hinweis

Eine Karte ohne Fehler gilt als gültig. Hinweise mindern die Gültigkeit nicht, stehen aber sichtbar an der Karte.

8. Stufen der Erfassung

Erfassung Bedeutung
Stufe 0 Grundeintrag, aus dem Register abgeleitet: Gegenstand, Feld, Verweise. Gekennzeichnet als nicht ausgearbeitet.
Stufe 1 ausgearbeitete Karte: Frage, Begriffe, Sätze mit Stufen und Quellen, Hypothesen mit Prüfung, Grenzen, Verknüpfungen
Stufe 2 Karte von einer zweiten Person durchgesehen (Vermerk @durchsicht)

Die Plattform führt für jedes Werk mindestens Stufe 0. Stufe 1 entsteht mit dem Werk, Stufe 2 durch Durchsicht.

9. Wie die Plattform die Syntax anwendet

Ort Anwendung
Werkseiten Syntax-Karte des Werks mit Stufen, Quellen, Grenzen und Verknüpfungen
Vernetzung Begriffsbrücken und Verknüpfungen aller Karten als ein Netz (/syntax/netz.html, Daten /daten/syntax.json)
Werkzeug SATZBAU Karten schreiben, live prüfen, als JSON ausgeben, Lernpfad ableiten
Fachbücher Anhang „Syntax-Karte und Lernpfad“ in jedem Fachbuch der Plattform
Lernen Lernpfad nach dem Hausschema von Lern-Agent: Frage → Anlass, Begriff → Aufbau (Sache vor Namen), belegte Sätze → Abruf, Hypothese und Prüfung → Anwendung, Brücke und Übertragung → Übertragung, Grenze und Offenes → Rückblick
Ablage Verknüpfungen als related_identifiers in den Metadaten der Passivfassung

10. Was die Syntax nicht ist

Keine Ontologie mit Anspruch auf Vollständigkeit, kein Bewertungsautomat und kein Ersatz für Fachdurchsicht. Die Stufen beschreiben die Beleglage, wie die Bearbeitung sie einschätzt; ob die Einschätzung trägt, entscheidet die Durchsicht. Die Prüfregeln prüfen Form, nicht Wahrheit.

11. Lizenz und Weiterentwicklung

Spezifikation, Schema und Prüfprogramm stehen unter CC BY 4.0 und dürfen frei verwendet, übersetzt und erweitert werden. Erweiterungen behalten die zwölf Glieder und die Stufen bei und kennzeichnen neue Angaben als Zusatzschlüssel. Einrichtungen, die die Syntax mit eigenem Begriffsregister, eigener Oberfläche oder eingebettet betreiben wollen, wenden sich an forschung@tschueller.com.

Syntagma Syntax 1.0

A common notation for transdisciplinary research

SYN-PROV0003 (provisional) · version 1.0 · 14 Oct 2026 · Thomas Schüller, Syntagma Forschung, Vienna · ORCID 0009-0003-9799-6747 · CC BY 4.0

1. Purpose

Highly specialised fields rarely fail to cooperate for lack of knowledge; they fail because of the form knowledge comes in. A legal finding, a measurement series and a hypothesis from behavioural biology stand in three technical languages, with three notions of "evidenced" and no common place where they touch. Syntagma Syntax gives every work the same structure: what it asks, what it is about, with which terms, what it claims, how well supported, how it could be refuted, where it ends and what it connects to.

It does not replace any technical language. It is the layer above, where fields dock on. A syntagma is literally an ordered connection of elements; the platform carries the name because that is what it sets out to build.

Principles

  1. Structure, don't smooth. Every statement keeps its field, its level and its source.
  2. Level before style. How well a statement is supported is written at the statement, not in the tone of the text.
  3. Testable or marked as conjecture. Every hypothesis names the observation that would refute it.
  4. Every card names its limit. No card without stating what it does not cover (no theory of everything).
  5. Transfer only with a limit. Whoever carries a finding into another field states where the transfer ends.
  6. The matter before the name. A term is introduced only with its definition; the technical word follows the matter.
  7. Readable for people, checkable for machines. The notation is plain text; the same card exists as JSON.
  8. Bilingual. Every element carries German and English.

2. The twelve elements

Sigil Element Required Meaning
F Question – research question of the work
G Object – (recommended: level, place, time) system under study
B Term term := definition, fach: term with field of origin; bruecke: field=counterpart links to another field
A Assumption – premise set, not tested
H Hypothesis validity level, pruefung: P… testable conjecture
S Statement validity level, from G2 belege: Q… claim, finding
Q Source source level, ort: or nachweis: evidence
M Method – procedure
X Measure einheit: measurable quantity; misst: G…
P Test – condition under which a hypothesis or statement fails
L Limit – scope, exclusions
O Open – open question, next step

3. Validity levels (S, H)

Level Meaning
G0 speculation
G1 conjecture, stated testably
G2 plausible, indirect evidence
G3 evidenced, one primary source
G4 established, several independent sources
G5 disciplinary consensus
W refuted
U undecidable

Works with their own grading scheme keep it in the work; the card maps it onto these levels and states the mapping in an A element.

4. Source levels (Q)

Level Meaning
T1 official primary source: statute, ruling, official report, raw data
T2 peer-reviewed literature
T3 grey literature, associations, NGOs; labelled
T4 press, only as evidence of an event
T5 own survey or measurement
T6 unsupported

5. Links

Targets: S3 (same card), werk:<slug>, werk:<slug>#S3, werkzeug:<slug>, kennung:<ID>.

Type English DataCite
stuetzt supports References
widerspricht contradicts References
praezisiert refines IsDerivedFrom
verallgemeinert generalises References
uebertraegt transfers (with grenze: L…) IsDerivedFrom
benoetigt requires Requires
misst measures References
wendet-an applies IsDerivedFrom
ist-fall-von is instance of IsVariantFormOf
verweist references References
teil-von is part of IsPartOf

6. Notation

A card is a UTF-8 text file with the extension .syx; one line is one element.

§ <slug> <ID>
@titel Titel ‖ Title
<ID> [level] German text ‖ English text | key: value
V <from> <type> <to> | grenze: L…

‖ separates the languages (alternative ||), | separates attributes. Keys stay German as in the specification.

7. Rules

Rule Content
R1 header § slug ID present
R2 IDs valid and unique, every element has text
R3 S and H with level; from G2 with evidence present in the card; G4 with at least two sources (note)
R4 every hypothesis with a test
R5 every source with source level and locator; G3+ not only on T4/T6 (note)
R6 terms with definition and field, measures with unit, bridge as field=counterpart
R7 at least one question and one limit
R8 links with known type and valid targets; transfer with a limit
R9 English version per element (note)

A card without errors is valid. The rules check form, not truth.

8. Stages

Stage Meaning
0 basic entry derived from the register, marked as not worked out
1 worked-out card
2 card reviewed by a second person (@durchsicht)

9. How the platform applies it

Work pages show the card; /syntax/netz.html shows all term bridges and links (data /daten/syntax.json); the tool SATZBAU writes, checks and exports cards and derives a learning path; every textbook of the platform carries the card and the learning path as appendices; archive metadata take the links as related_identifiers.

10. Licence

Specification, schema and checker are CC BY 4.0. Extensions keep the twelve elements and the levels. Institutions wishing to run the syntax with their own term register or embedded: forschung@tschueller.com.